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Die Einteilung der Kulturgüter, deren Insgesamt unsern Kultur-besitz darstellt, deckt sich nicht völlig mit der in Kulturbereiche; des-halb müssen wir sie gesondert behandeln. Wir können folgende Arten vonKulturgütern unterscheiden:
1. materielle (Sach-) Güter, deren Gesamtheit unsern materiellenKulturbesitz oder kürzer: unsere materielle Kultur ausmacht. Die materielleKultur wird dadurch gekennzeichnet, daß sie sich im Besitze oder imGebrauche und Verbrauche der Sachgüter vollständig erschöpft. Der Kul-turakt besteht in der Nutzung des Sachgutes, sei es, daß dieses zu konsump-tiven oder zu produktiven Zwecken verwendet wird. Hierher gehört alsodas, was man etwas sehr volltönig den „Reichtum der Nationen“ nenntund um dessen Beschaffung sich die Wirtschaft zu mühen hat, wenn dieVerwendung des einzelnen Sachgutes nachher auch in den verschiedenstenKulturbereichen erfolgen kann. Denn wir müssen bedenken, daß sichdieser Sachgüter ebenso die Kirche, wie der Staat, wie die Kunst und dieWissenschaft bedienen. Der Sachgüterbesitz ragt überall hinein, wenn erhier als Monstranz, dort als Kanone, hier als Farbe und Leinewand, dort alsPapier und Druckerschwärze erscheint:
„Es bleibt ein Erdenrest, zu tragen peinlich„Und wär er von Asbest, er ist nicht reinlich.“
Eine andere Art von Kulturgütern können wir zusammenfassen unterder Bezeichnung
2. Ordnungen, deren Gesamtheit unsere institutioneile Kulturbildet. Unter Ordnungen verstehen wir Normen, an denen sich unser Ver-halten orientiert. Sie stellen sich dar in Verfassungsurkunden, Gesetz-büchern, Sittenordnungen, Fabrikordnungen, Börsenordnungen, Zunft-statuten, Grammatiken, Spielregeln, Festprogrammen, Zolltarifen usw., usw.
Daneben gibt es
3. geistige Kulturgüter, die zusammen die geistige Kulturausmachen und die in allem Kulturbesitz bestehen, der nicht materiellerund nicht institutioneller Natur ist, die weder einem materiellen noch einemideellen Bedarfszwec~k dienen, die also nur ihrer selbst willen da sind.Darunter können wir Kunstwerke aller Art, einschließlich zwecklos da-seiender philosophischer und wissenschaftlicher Werke verstehen. Auchder Besitz an Idealen, an Wertvorstellungen, an Strebungen gehört hierher.
Von Kulturgebilden kann man sprechen, wenn man an die voll-endeten einzelnen und doch ganzheitlichen Schöpfungen denkt, die derGeist vor uns hinstellt und in denen er sein Kulturschaffen individualisiert.Ein Kulturgebilde ist im Bereiche der subjektiven Kultur die vollendete
S o m b a r t : Vom Menschen
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