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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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Persönlichkeit, im Bereiche der objektiven Kultur das individuelle Werk:nicht die Sprache schlechthin, sondern die bestimmte (deutsche , italienische,lateinische usw.) Sprache; nicht die Religion, sondern das einzelne Religions-system; und ebenso im Bereiche der Kunst: das einzelne Gebäude, das ein-zelne Bild, die einzelne Statue, das einzelne Dichtwerk, die einzelne Sonateoder Symphonie; im Bereiche der politischen Kultur: der einzelne Staat,die einzelne Armee, das einzelne Rechtssystem; im Bereiche der Wirtschaft:die einzelne Volkswirtschaft oder auch die einzelne Unternehmung; imBereiche des Wissens: das philosophische System oder das wissenschaftlicheWerk, wo sie wirklich als ein Ganzes erscheinen, das seinen Sinn in sichselber trägt und nicht nur Bezug auf eine andere Kulturerscheinung hat.

Diese Kulturgebilde lassen sich zunächst einmal nach den Kulturbereichenunterscheiden, denen sie angehören und können unter sich nach beliebigenMerkmalen untergegliedert werden.

III

Unter den von mir aufgezählten Kulturbereichen wird mancher Lesereines vermißt haben, das er sogar, wenn er einmoderner Mensch ist, Zeitseines Lebens für das wichtigste gehalten hat: die Technik. Ich habesie aber sehr mit Bedacht aus meiner Übersicht weggelassen, nicht weil ichsie nicht auch für eine wichtige Kulturerscheinung hielte, sondern aus demsehr einfachen Grunde, weil die Technik kein selbständiger Kulturbereichin dem Sinne, den wir diesem Worte beimessen wollen, nämlich: ein durcheine Kulturidee zur Einheit zusammengefaßter Bezirk ist. Die Technik stehtvielmehr sämtlichen Kulturbereichen als Mittel zum Zweck gegenüber. Esgibt keinen mundus technicus, wie es einen mundus religiosus, politicus,oeconomicus usw. gibt. Ein Blick auf das Wesen der Technik wird dieRichtigkeit dieser Ansicht bestätigen.

Technik in der allgemeinen Bedeutung heißt Verfahren. Wir verstehenunter Technik alle Systeme (Komplexe, Insgesamte) von Mitteln, die ge-eignet sind (oder auch nur als geeignet angesehen werden: denn es gibtnatürlich auchschlechte,verfehlte,falsche Techniken) einen be-stimmten Zweck zu erfüllen.

Wir unterscheiden die Techniken im großen unter einem zweifachenGesichtspunkte: nach der Art der angewandten Mittel und nach der Artder zu verwirklichenden Zwecke.

Die Mittel sind entweder nur die im menschlichen Organismus vorhan-denen Kräfte und Fähigkeiten, die genutzt oder ausgebildet werden, umdas Verfahren die Technik zweckentsprechend zu gestalten. Wirkönnen hier von Organtechnik (vitaler, formaler Technik) sprechen. Hier-