gesichts ihrer Menschenähnlichkeit in allem Schlechten (während die wahrenTierfreunde etwa Hunde und Pferde, oder auch Katzen oder Vögel lieben, indenen sie die menschenfremde Natürlichkeit schätzen), sei es aus einem doktri-nären Grunde: weil sie an den Edelaffen am besten die Tierheit des Menschenglauben nachweisen zu können.
Daß Mensch und Affe in vielen Äußerlichkeiten (pur troppo!) sehr ähnlichsind, lehrt der Augenschein. Man durfte also mit gutem Grunde den Schlußwagen, daß sie auch wesensmäßig verwandt seien, daß in den Affen sich Eigen-schaften fänden, die man als spezifisch menschliche anzusehen sich gewöhnthatte. Hatte man aber — so schloß man — erst an einer Tierspezies Eigen-schaften entdeckt, die man bis dahin dem Menschen Vorbehalten glaubte, so wardie Grenze zwischen Mensch und Tier beseitigt und das war es ja, worauf manhinaus wollte. Denn daß die Grenze etwa von neuem zwischen den Affen undanderem Getier gezogen würde, war nicht zu befürchten.
Deshalb hat man die Edelaffen immer wieder auf ihre Geisthaftigkeit (denndarum handelt es sich ja, wie wir wissen) untersucht. Diese Untersuchungenwaren von vornherein zur Unfruchtbarkeit verurteilt, wenn man sie etwa aufdie Sprache richtete. Denn offenbar haben die Affen nicht einmal die orga-nischen Mittel, die zur Erzeugung des Sprachlautes gehören, wie sie beispiels-weise die Vögel haben, denen also aus technischen Gründen am ehesten„Sprache“ zuzutrauen wäre (die Sage legt sie ja ihnen auch immer in ersterLinie bei). Ebensowenig konnte sich diejenige Auffassung (wie sie etwa deralte B r e h m vertrat), wonach den Affen eine wohlfundierte Ethik eignete,viele Anhänger verschaffen. Man mußte an einem anderen Punkte den Angriffeinsetzen und dieser Punkt war die Werkzeugnutzung. Hier erfülltendie Affen offenbar durch ihre körperliche Beschaffenheit (Greifhände!) alleäußeren Vorbedingungen, die diese Fähigkeit erheischt. Auch hatte man längstbeobachtet, daß selbst Affen minderen Ranges — die Paviane — Steine auf ihreFeinde warfen. In den Lebensbeschreibungen illustrer Edelaffen war oft genugauf die Werkzeugnutzung gelegentlich hingewiesen, wie etwa in denjenigen desberühmten Gorilla Mpungu, der „Deutschland zu Ehren, der Menschheit zurFreude, der Wissenschaft zum Ruhme“ wie Direktor Hermes in einem Vortragefeststellte, 1 % Jahre das Berliner Aquarium mit seiner Gegenwart beglückthatte. Aber das genügte nicht. Was man brauchte, war ein großes Tatsachen-material, das durch systematische Beobachtung zusammengetragen wäre.
Um diese vornehmen zu können, wurde mit Hilfe der Preußischen Akademieder Wissenschaften auf der Insel Teneriffa eine Beobachtungsstation errichtet,in der in den Jahren 1912—1920 von namhaften „Psychologen“ sog. „Intelligenz-Prüfungen“ an (9) afrikanischen Schimpansen vorgenommen worden sind. DasErgebnis dieser sorgsam, nach „wissenschaftlichen“ Grundsätzen vorgenom-menen Prüfungen ist niedergelegt in dem Buche des Führers der Expedition:Professor Wolfgang Köhler , Intelligenzprüfung an Menschenaffen. Zweitedurchgesehene Auflage 1921.
Welches waren die Experimente? Welches ist das Ergebnis?
Die Experimente waren teils allgemeiner Natur, teils bezogen sie sichunmittelbar auf das Problem der Werkzeugnutzung und Werkzeugher-stellung (!); die Ergebnisse werden sehr verschieden beurteilt. Die Einen