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meinen: die -Experimente an den Tenerifia-Afien haben nun endgültig die Tier-haftigkeit des Menschen oder was dasselbe ist: die Menschenhaftigkeit derTiere, also die Wesensgleichheit zwischen Tier und Mensch erwiesen... die„Grenzmauer zwischen Instinkt und Verstand ist endgültig emgestürzt.“ Dasist das Ergebnis, zu dem auch der Leiter der Expedition, Professor Köhler,selbst gekommen ist, der bei seinen Schimpansen „jene Verhaltungsform...,die als spezifisch menschlich gilt“, wiedergefunden hat. Siehe das Schlußwortseines Buches. Die andern sind im Gegenteil der Überzeugung, daß die Experi-mente an den Tenerifia-Afien zum mindesten die Geisthaftigkeit der Aßennicht schlüssig beweisen, dagegen mancherlei Material beigebracht haben,das für die Tierhaftigkeit der Untersuchungsobjekte spricht.
Diese Überzeugung ist auch die meine, und ich will sie im folgenden kurzbegründen, und zwar an der Hand derjenigen Experimente, die sich auf dasWerkzeugproblem beziehen.
Da ist zunächst die Verwendung des einfachen Stocks, „der nach und nachfür die Schimpansen zu einer Art von Universalwerkzeug wurde“, wie ein Be-richterstatter es ausdrückt, sofern sie mit ihm entfernte Gegenstände herbei-holten, den Deckel einer Grube emporhoben und allerlei Pflanzen und Pflanzen-wurzeln ausgruben.
Will man sich nicht um Worte streiten, so muß man sich vorher darübereinigen, was ein „Werkzeug“, das als menschliches Arbeitsmittel dient, denneigentlich ist. Ich verstehe darunter ein Sachding, das der Mensch aus demNaturzusammenhange lierausgenominen hat und nun, in Erkenntnis seinergenerellen Brauchbarkeit, bewußt zur Unterstützung seiner Arbeit verwendet.Davon ist bei den Aßen keine Rede. Für sie bleibt der Gegenstand, den siezur Unterstützung ihrer Tätigkeit verwenden, im Naturzusammenhange ein-geschlossen, er bildet ein Glied in der Kausalkette ihrer Triebhandlung undist in seiner abstrakten Brauchbarkeit nicht erkannt. Erst wenn etwa ein Afieeinen solchen „Grabstock“ bei der „Heimkehr“ von einer Sammeltour in dieEcke gestellt hätte, in der Absicht, ihn am nächsten Morgen auf seine Sammel-Expedition wieder mitzunehmen: erst dann hätte er ihn als „Werkzeug“ genutzt.Anders ausgedrückt: erst wenn dieser Gegenstand aus der „Weil“-Kategoriein die „Umzu“-Kategorie übergegangen wäre, wäre er ein Werkzeug geworden.
Von Experimenten, die solches festgestellt hätten, erfahren wir aber nichts.
Sehr viele der angestellten Experimente sollen die Fähigkeit der Schimpan-sen zur Werkzeugverfertigung beweisen. Zu diesem Behufe befestigteman zum Beispiel eine Banane so hoch, daß sie mit einem Stock nicht mehrerreicht werden konnte und legte zwei Bambusstäbe an die Stelle, die man in-einander stecken konnte. Und siehe da! Sultan, der „intelligenteste“ Afie stecktesie tatsächlich ineinander und holte sich mit Hilfe des solcherweise verlängertenStockes die Banane herunter. Oder: man stellte Kisten in den Raum, wo dieBanane hing: die Aßen stellten die Kisten aufeinander, um zu ihren Bananenzu gelangen. Werkzeugherstellung? Nicht notwendig. Ich brauche diese Vor-nahmen keineswegs auf einen geistigen Akt, auf eine Zweckmittelbehandlungzurückzuführen, sondern kann sie ebenso gut als triebhafte Kausalverknüpfungansehen. Dieses muß ich nun aber, wenn ich das Verhalten der untersuchten