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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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rime; Velcurio:bestiis particularem rationem tribuere non est veritus;Franciscue Vallesius, der in seiner Philosophienegare videtur ratio-nale et irrationale esse differentiam bruti et hominis. Omnia bruta affirmansesse rationalia et intelligentia predita.

C. widerlegt dann im folgenden ihre Gründe.

Der Streit, ob die TiereVernunft, insbesondere Sprache haben, wird nunall die folgende Zeit fortgesetzt. So bildet er in den Werken der großen fran-zösischen Menschenforscher des 17. Jahrhunderts einen wesentlichen Bestandteil.Daß der Mensch dem Tiere verwandt sei, ist ein Lieblingsgedanke P. de Char-rons. Er verficht die Ansicht, daß die Menschen Vorzüge vor den Tieren,sowie umgekehrt diese vor jenen haben und bekundet dabei doch ein großesVerständnis für die Spezifizität des Menschen. Siehe das Livre I. Ch. VIII seinesWerkes de la Sagesse livres III. 1601. Daß die Tiere (eine besondere) Vernunft(und Sprache) haben nimmt an Dela Chambre, Les caracteres des passions.5 Vol. 16581663. Siehe z. B. die Abhandlung im 2. Bande am Ende:Quelle estla connaissance des Bötes et jusqu eile peut aller?

An der Hand dieses Streites beginnt die Tierpsychologie sich zu ent-wickeln, die ihren einstweiligen Höhepunkt erreichte in dem Werke vonG. F. Meier, Versuch eines Lehrgebäudes von der Seele der Tiere. 1750.

Dann aber trat ein Ereignis ein, das bestimmenden Einfluß auf dasSchicksal des Menschenbildes ausübte: ich meine die verhängnisvolle Tat-sache, daß das naturwissenschaftliche Denken Herrschaftüber die Menschen gewann. Und wie auf alle Kulturgebiete diesesnaturwissenschaftliche Denken mit seinen verheerenden Wirkungen über-greift, so verfällt ihm auch im Laufe der kommenden Jahrhunderte diePsychologie.

Mit dessen Eindringen in 4ie menschliche Innenwelt ging natürlich zu-nächst der Begriff des Geistes verloren, mit dem man nichtsanfangen konnte, wenn man die menschlichen Seelenregungen allgemeinenNaturgesetzen unterordnen wollte. Allmählich geriet dann auch der Be-griff der Seele in Verlust, da dieseswunderliche Kreatürchen,wie Luther sie nannte, denexakten undexperimentellen Forschun-gen der modernen Psychologie allzuviel Hindernisse in den Weg legte.

Wenn wir uns den Siegeszug des naturwissenschaftlichen Denkens etwasgenauer ansehen, so lassen sich in der Entseelung und Entgeistung desMenschen zwei Etappen unterscheiden: eine mechanistische und eine bio-logistische.

Die mechanistische Periode ist diejenige, in der das naturwissen-schaftliche Denken unter dem Einfluß der exakten Naturwissenschaften,namentlich der Physik und Mechanik, stand, die zuerst große Erfolge auf-zuweisen hatten. Man erblickte in der Sicht dieser Wissenschaften in dermenschlichen Konstitution nichts anderes als einen von Naturgesetzen be-herrschten Bewegungsvorgang, den man sich unter dem Bilde einesMecha-