nismus“ oder einer „Maschine“ klar zu machen versuchte. Um die Vor-gänge meßbar zu machen, zerlegte man das Verwickelte in letzte „elemen-tare“ Bestandteile, die selbstverständlich nicht geistiger, aber schließlichauch nicht seelischer Natur sein durften und die sich im Tier, ja auch in dertoten Natur in gleicher Form wiederfanden.
Man weiß, daß diese mechanistische Seelenlehre ihre erste Blütezeit inFrankreich schon im 18. Jahrhundert erlebte. Hier lehrten unter dem Ein-fluß Descartes (der aber, wie wir noch sehen werden, für die Schluß-folgerungen der „Aufklärer“ nicht verantwortlich gemacht werden kann)die Condillac (1715—1780), Helvetius ( 1685—1755), Holbach(1723—1789), La Mettrie (1709—1751) u. a.
In dem zuletzt genannten La Mettrie und seinem „berüchtigten“ Büchlein„L’homme machine “ (1748) ereicht der mechanistisch-materialistische Unsinnwohl seinen Höhepunkt. Ja: er überschlägt sich in ihm. Und ich habe denlustigen Genußmenschen LaMettrie stark in Verdacht, daß er sich mit seinerSchrift einen Spaß gemacht hat: „pour epäter le bourgeois“, den dann natürlichdie Professoren toternst genommen haben. Das bildet ja überhaupt einen wesent-lichen Teil des Inhalts der sogenannten „Geistesgeschichte“. Jemand hat einenverrückten Einfall, der ihm vielleicht in der Weinlaune gekommen ist. Eräußert ihn spaßeshalber, und die humorlosen Leute nehmen ihn ernst undpolemisieren ein Menschenalter und länger gegen ihn.
Uns interessiert La Mettrie , weil in ihm der Animalismus, die „Deklas-sierung“ des Menschen zum Tier, in einer für die frühe Zeit schon vollendetenForm zum Ausdruck kommt. Deshalb folgende Bemerkung: Die Tendenz desBüchleins ist zu zeigen: der Mensch ist ein Lebewesen wie jedes Tier, er hatdeshalb — der damaligen Auffassung entsprechend — „keine“ Seele: alles ist„Materie“, die denkt, fühlt, handelt, die auch die Vorstellung von gut und bösehat. Alle Vorgänge im Menschen lassen sich auf „Bewegung“ zurückführen:„Pose le moindre principe de mouvement, les corps animös auront tout cequ’il leur faut pour se mouvoir, sentir, penser, se repentir etc. (p. 71).
„Le medeein est le seul philosophe, qui mörite de sa Patrie“ (Dedicace). „Lesseuls Physiciens (ont) droit de parier ici“ (p. 7). Alle „seelischen“ Zustände sinddurch körperliche bedingt: Schlaf, Essen, Krankheit, Alter. Und darum ist derMensch ein Tier: „la forme et la eomposition du cerveau des Quadrupedes estä peu pres la meine, que dans l’homme“ (p. 22); „le grand Singe ... nous res-semble si fort, que les Naturalistes Tont appelle ,Homme sauvage“ ou ,Homme desbois‘ “ (p. 26; vgl. p. 28. 83. 98).
Der Mensch hat zwar Sprache, das Tier nicht. Aber die Tiere könnten jederzeitsprechen lernen, sie wollten nur nicht. Man denkt dabei unwillkürlich an dieBegründung, die die Javaner für das Nicht-Sprechen der Tiere geben: diesesprächen nicht, um nicht zur Arbeit herangezogen zu werden! La Mettrie fährt dann fort: „Malgre toutes ces prerogatives de l’homme sur les animaux,c’est lui faire honneur, de le ranger dans la meine classe“ (p. 47). „La naturen’a employe qu’une seule et meine päte“ (p. 54). „Les animaux d o i v e n tparticiper aux meines prerogatives de l’Animalitö“ (p. 55).„L’homme n’est qu’un animal“ (p. 83).