101
biegt, indem er den Menschen in das Naturganze einordnet, vielleicht Spinoza .Aber auch bei ihm bleibt die Naturhaftigkeit des Menschen doch immerhinmetaphysisch begründet. Reine Zoologie ist seine Lehre vom Menschen gewißnoch nicht. Ebenso aber auch keine Mechanik.
Die drei andern Philosophen des großen Jahrhunderts erklären 6ich dagegenganz ausdrücklich für die Geisthaftigkeit des Menschen, den sie durchaus alsein Geschöpf sui generis betrachten.
Die „denkende Substanz“ des Descartes, die mit der zweckmäßigenMaschine des Körpers verknüpft ist, ist nichts anderes als der Geist. Durch ihngelangen wir zur Allgemeinheit und Notwendigkeit unserer Erkenntnisse sowiezur Freiheit unseres Handelns. Nur der Mensch hat Geist, nur der Mensch hatSelbstbewußtsein und Sprache, das Tier nicht; dieses ist eine bloße Maschine,ein belebter, aber nicht beseelter Körper. In dieser Dualität, auf der dasSystem des Descartes begründet, in der Gegenüberstellung von cogitatio undextensio, hat man einen bedauerlichen Abfall von der lichtvollen Trialität desAristoteles erblickt und mit ihr viele Fehlgänge der folgenden Zeit er-klärt. In gewissem Sinne mit Recht. Aber was Descartes doch zu Gutegehalten und hoch angerechnet werden muß, ist dieses: daß er zwar den Seelen-begriff geopfert, dafür aber den Geistbegriff gerettet hat, Denn daßseine Cogitatio Geist und nicht Seele bedeutet steht außer Zweifel. Er gebrauchtden Ausdruck gleichbedeutend mit Mens und übersetzt auch Anima mit Mens,französisch mit Esprit. „Substantia cui inest immediate cogitatio, vocatur Mens;loquor autem hic de mente potius quam de anima, quoniam animae nomen estaequivocum et saepe pro re corporea usurpatur“ (II ae Resp. Döfinit. 6; t. VII.p. 161). „La substance dans la quelle röside immediatement la pensee est iciappelöe Esprit. Et, toutefois, ce nom est equivoque, en ce qu’on l’attribueaussi quelquefois au vent et aux liqueurs fort subtiles; mais je n’en sache pointde plus propre“, (t. IX. p. 125.) Vgl. noch Renö Descartes, Discours dela Möthode. Texte et commentaire par Etienne Gilson . 1925.pag. 303. 308. u. ö.
Daß L e i b n i z kein Animalist war, geht aus der Struktur seines Systemshervor, das ja in einer Stufenordnung: unorganische Materie — Pflanze — Tier— Mensch — Engel — Gott gipfelt. Sie wiederholt sich im Menschen. „Wirteilen unserem Geist eine ihm innewohnende Kraft zu, Handlungen hervor-zubringen, die in ihm selbst gegründet sind“.
Sehr verdächtig des Animalismus erscheint H o b b e s. Und doch ist er ganzund gar kein Animalist trotz seiner vielfachen Hinneigung zum Naturalismus.Zum Beweise erinnere ich an die sechsfache Ablehnung einer Verwischung desUnterschiedes zwischen Tier- und Menschenreich im 17. Kapitel des „Leviathan “.Hier stellt er die Bienen- und Ameisenvereinigungen dem menschlichen Staategegenüber und zeigt, worin dessen Eigenart besteht. Die Tiere entbehren derVernunft und Sprache. Deshalb ist ihre Vereinigung eine natürliche, die derMenschen eine künstliche: „animalium illorum consensio a natura est; consensioautem hominum a pactis est et artificiale“. Vgl. meinen Aufsatz: Die Anfängeder Soziologie in der „Erinnerungsgabe für Max Weber “ 1. Band, 1923, undneuerdings Carl Schmitt , Der Leviathan in der Staatslehre des ThomasHobbes. 1939. Kp. 3 .