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Als einen bedeutsamen Vertreter des Hominismus im 17. Jahrhundert führe ichnoch an einen der großen Menschendarsteller: Pierre le Charron , De laSagesse libres trois (1691), der sich wie folgt ausläßt: „il semble pour mieux etplus expressement representer et cognaitre l’homme, qu’au premier coup l’onpeust remarquer trois choses en l’homme, l’esprit, l’ame, la chair; Dont l’espritet la chair tiennent les bouts et extremitös contraire, l’ame mitoyenne etindifferente... l’Esprit la tres haute et tres heroique partie, parcelle, scintille,image et defluxion de la divinitö est en l’homme comme le roy en la republique;ne respire que le bien et le ciel, oü il tend tousiours“... etc.. Livre I ch. IX.ed. princ. p. 89/90.
Für die weite Verbreitung des Hominismus in jener Zeit spricht auch dieTatsache, daß die Dreistufenlehre des Aristoteles in den gnostisch-alcheinistischen Geheimlehren lebendig war, die mit dem Auf-kommen des sog. Rosenkreuzertums, also seit Valentin Andreae und seiner famafraternitatis zu Beginn des 17. Jahrhunderts offenkundig werden. Hier finden wirein umfängliches Spekulieren über die drei typischen Einweihungsstufen desaudire, perseverare, nosse et scire, was dem alchemistischen Prozesse der Drei-teiligkeit des Menschen als Leib (sal), Seele (sulphur) und Geist (mercurius)und vielen andern Dreistufenlehren entspricht. Vgl. G. F. Hartlaub, Gior-giones Geheimnis (1925), 18.
Erinnern wir uns nun noch, daß im 17. Jahrhundert am französischen Geistes-himmel die hellen Sterne Malebranche (1638—1715) und Bl. Pascal(1623—1662) leuchteten, und bedenken wir, daß fast um dieselbe Zeit (1668 bis1744) in Italien I. B. V i c o im Kampfe mit Descartes die Grundlagen einesbesonderen kulturwissenschaftlichen Denkens legte, so werden wir nicht an-stehen zu bekennen, daß im 17. Jahrhundert trotz seiner naturwissenschaft-lichen Neigungen das menschliche Bild des Menschen in den führenden Geisternnoch durchaus lebendig war.
Aber auch das 18. Jahrhundert dürfen wir uns keineswegs völlig be-herrscht von der naturalistischen Denkweise vorstellen. Trotz der materialisti-schen Extravaganzen, die dem Geschichtsschreiber meist allein der Erwähnungwert erscheinen, weist es starke Spuren einer hoministischen Gesinnung auf.
In Frankreich nahm man die Frechheiten der „Aufklärer“ durchaus nichtstillschweigend hin, sondern wehrte sich gegen sie — auch in Laienkreisen —mit voller Kraft. Der anonyme Verfasser der Gegenschrift gegen Lamettrie :„L’homme plus que machine“ (1748) vermerkt (p. 5) ausdrücklich, daß dieStreitschriften über das Problem des Materialismus „une Bibliotheque entiöre“füllen könnten; im übrigen hätten sie nur dazu gedient „ä faire vivre lesLibraires“.
Einer dieser anti-naturalistischen Schriften aus jener Zeit möchte ich aus-drücklich Erwähnung tun, weil sie wenig bekannt ist, obwohl sie auf einer er-staunlichen Höhe der Einsicht steht: so verkündet sie z. B. die Lehre Schopen-hauers von dem Gegensatz der Tiere, die nur Anschauung haben und derMenschen, die abstrakte Begriffe bilden, schon fast in völliger Klarheit. Das istdie Fr. Hemsterhuys, le fils zugeschriebene, anonym erschienene Schrift:Lettre sur l’homme et ses rapports. 1772.
Daß der englische Sensualismus keineswegs zwangsläufig zum Animalismusführte, lehrt uns ein Blick auf die maßgebenden Philosophen. So lesen wir bei
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