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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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sieht in seiner Zeitschrift für Philosophie und spekulative Theologie XII, 66 bis106. Über das Sonderschicksal des Hegel sehen Geistbegriffes unterrichtet ambesten Gustav Hauffe, Entwicklungsgeschichte des menschlichen Geistes.2. Aufl. 1882.

Und wer blieb in der zweiten Hälfte des dunklen Jahrhunderts übrigan hoministischen Denkern? Da sind zunächst zu nennen alle diejenigen, diesich um das Banner des aristotelisch-thomistischen Ortho-dox i s m u s scharten, also im wesentlichen diejenigen Schriftsteller, die denKreisen der katholischen Geistlichen angehörten oder den theologischen Pro-blemen sonstwie nahestanden. Wir vergessen diese tapferen Männer allzuleicht.Und sie verdienen doch unsere höchste Achtung. Haben sie doch, den Klösternim Mittelalter vergleichbar, kostbares Geistesgut durch dunkle Zeit hindurchhinübergerettet. Ich nenne nur beispielsmäßig ein paar Spezialschriften ohneder größeren systematischen Werke dieser Richtung, wie sie uns in den Moral-theorien und ähnlichem vorliegen, zu gedenken. Also etwa M. Schüler, SindMenschen- und Tierseele einander gleich? 1875; (Charles Roemler), Man.A philosophical treatise on the human race. 1888; Matth. Schneid, Psycho-logie im Geiste des H. Thomas von Aquin . I. Teil: Lebende Seele. 1892.

Aber auch in weltlichen Kreisen hat es in dieser Zeit nicht an mutigenMännern gefehlt, die demZeitgeist getrotzt haben und treu zum Hominismusund damit zum Geiste gestanden sind. Ich will nur einige Schriften namhaftmachen, die mir besonders der Beachtung wert erscheinen.

Da ist der erstaunliche M. P e r t y, der in seiner SchriftDie Bedeutung derAnthropologie bereits im Jahre 1853 die ganze Kritik A. Fr. Langes amMaterialismus vorwegnimmt, wenn er etwa schreibt:wie die Drähte dieDepeschen nur leiten, nicht sie aufgeben, um sie wissen und sie befördern, sodie Cerebro-spinalnerven. Das, was durch letztere in der Peripherie angeregtund ausgedrückt wird, ist bloß symbolisch, und der wahre Sinn derGebärden und der Worte wird nur von einem andern substantiell gleichgearteten,mit receptiven Organen versehenen Wesen begriffen, existiert bloß für dieses(S. 17).Gedanken können wohl durch Empfindungen veranlaßt werden; abersie sind darum nicht minder Erzeugnis des Geistes; darum gibt es auch Ge-danken vom Unsinnlichen Freiheit, Recht, Wahrheit usw. und unter ihnenden höchsten der Heiligkeit. Man schreibt den Menschen Freiheit zu, im Gegen-satz zu der mit absoluter Notwendigkeit 6ich bewegenden Natur und darüber

das Vermögen, neue Formen, neue Schöpfungen hervorzurufen- Darum aber

schreibt man ihm auch Geist zu, dessen Natur es ist, monadisches Denkwesen,das (wie W i r t h es ausdrückt) in der Unterscheidung seiner selbst und seinerBestimmung mit sich Eins zugleich wollendes und schöpferisches Prinzip, zusein (S. 21).Sein (des Materialismus) Unrecht ist, daß er den Geist als diffe-rentielle Substanz negiert; es wird also eine wesentliche Unterscheidung unter-lassen, woraus sich dann ein einseitiges System ergibt (S. 22).Der Leib istfür den Geist das ihn mit der Welt vermittelnde Organ, notwendige Bedin-gung, aber nicht Grund seiner Funktionen (S. 23).

Im Jahre 1867 veröffentlichte C. A. Werther einSystem der Pneumato-logie: Der Mensch als geistiges Individuum, in dem so ungefähr alle Gedankenenthalten sind, die Max Scheler und seine Schüler ein Menschenalter späterneu fanden.