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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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unter den Naturforschern eine ganze Reihe und weiß Gott nicht die un-bedeutendsten für die Spezifizität des Menschen eingetreten sind und diescharfe Trennung zwischen Natur und Geist gutgeheißen haben.

Allen voran Alexander von Humboldt , der den ersten Band seinesKosmos (1843) mit folgenden prächtigen Auslassungen schließt:Mit diesenWorten (einem Zitat aus dem damals noch unveröffentlichten sprachwissenschaft-lichen Werk Wilhelm von Humboldts) , welche ihre Anmut aus derTiefe der Gefühle schöpfen, sei es dem Bruder erlaubt, die allgemeine Darstel-lung der Naturerscheinungen im Weltall zu beschließen. Nach teilweise er-kannten Gesetzen konnten hier die Erscheinungen geordnet werden.

Gesetze anderer, geheimnisvollerer Art walten in denhöchsten Lebenskreisen der organischen Welt: in denendes vielfach gestalteten, mit schaffender Geisteskraftbegabten, spracherzeugenden Menschengeschlechts. Einphysisches Naturgemälde bezeichnet die Grenze, wo dieSphäre der Intelligenz beginnt und der ferne Blick sichsenkt in eine andere Welt. Es bezeichnet die Grenze undüberschreitet sie nich t.

England ist das Heimatland desjenigen Mannes, der ohne sein Ver-schulden zur Verkörperung des extremsten Animalismus geworden ist. Aberin demselben Lande sind auch die energischsten Proteste gegen die vertierendeTendenz des Darwinismus laut geworden. Der bedeutendste und bekanntesteWortführer der Anti-Darwinisten im weltanschaulichen Sinne ist AlfredRüssel Wallace, der in verschiedenen Werken seinen hoministischenStandpunkt vertreten hat. Sein Buch: Contributions to the theory of naturalselection erschien zuerst 1870. In ihm kommt hauptsächlich der X. Essay inBetracht: The Limits of Natural Selection as applied to Man, wo es heißt:Theinference I would draw from this dass of phenomena is, that a superior Intelli-gence has guided the development of man in a definite direction and for a specialpurpose, just as man guides the development of many animal and vegetableforms (p. 359). Das zweite Buch heißt: Darwinism und ist 1889 in erster Auf-lage erschienen. Hier handelt (in der ed. von 1905) das 15. Kapitel vomDar-winism applied to man. Schlußergebnis:we accept the existenceof a spiritual world (p. 477).

Unter den englischen Anti-Naturalisten ist noch zu nennen der ZoologeSt. George Mivart mit seinen verschiedenen Schriften: On the genesis ofspecies 1871; Nature and Thought 1882; The Origin of Human Reason. 1889.

In Frankreich nimmt unter denAnthropologen eine ähnliche Stellungein A. de Quatrefages, Darwin et ses precurseurs frangais. Etüde sur letransformisme. 1892; Les dmules de Darwin. 2 Vol. 1894.

Ein gesonderter Bericht über Stand und Entwicklung des Hominismusim 2 0. Jahrhundert und in der Gegenwart, in der sein Strom anBreite und Tiefe wieder gewonnen hat, erübrigt sich, da sie im wesentlichenin der Renaissance der geistwissenschaftlichen und philosophischenAnthropologie ihren Ausdruck findet, von der ich in der auf Seite 105 ge-nannten Abhandlung in den Schriften der Pr. Ak. d. W. gesprochen habe.