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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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von den Menschen ohne Kopf, den vierfüßigen Menschen, den Menschen mitdem Hundekopf usw.

Et de notre temps nous avons descoert et touche ä loeil et au doigt,.ou les hommes sont sans barbe, sans usage du feu, de bled, ou est tenuepour la plus grande beaute ce que nous estimons la plus grande laideuretc. 53 )

In Deutschland ist es aber beispielshalber Eduard Neuhaus, deraus dem Staunen von der Mannigfaltigkeit der menschlichenIngenianicht herauskommt:

Weder strahlen die Sterne soviel Licht aus, noch hat die Erde mehrBlumen und Kräuter, noch sind die Farben zahlreicher, mit denenA p e 11 e s und P h i d i a s (!) malten, als die Natur menschliche Typen

geschaffen hat:magna_ ingeniorum est varietas, magna indolis

morumque dissimilitudo, multeplici specie ludente in humanis mentibusnatura. 54 )

Aber soviel sich die Literatur in diesen Jahrhunderten auch mit unsermProblem beschäftigte: die Zeit derWissenschaft war für diesen Teil derWelt noch nicht erfüllt. Erst ging noch ein goldenes Zeitalter voraus: dasvorwissenschaftliche.

II

Golden nenne ich das vorwissenschaftliche Zeitalter, weil in ihm nochwesentliche Probleme erörtert wurden, die man wohl auch alsmeta-physische bezeichnet. Ich will einige dieser wesentlichen Probleme, diesich aus der Tatsache der Verschiedenheit menschlicher Eigenarten er-geben, wenigstens in aller Kürze aufweisen. Da ist das Problem:

1. Ist die individuelle Wesenheit des Menschen er-kennbar?

Man weiß, daß diese Frage die Scholastik sehr eindringlich beschäftigthat und deren Vertreter noch heute beschäftigt. Noch neuerdings istein Aufsatz von S. S a n t e 1 e r, S. J. in der Zeitschrift für Katholische Theo-logie Band 59 (1935) über diesen Gegenstand erschienen. Ich möchte die Aus-führungen hier wiedergeben, die P, Gemmel S. J. in der ZeitschriftScholastik (Jahrgang 1936) zu diesem Aufsatze und zu dem Problem im all-gemeinen macht, weil sie für eine bedeutsame Auffassung besonders aufschluß-reich sind.

Die für die Charakterforschung wichtige Frage wird bei Thomas, der hierinAristoteles folgt, dadurch verwickelt, daß die Materie, die nach ihm Indivi-duationsprinzip ist, für unerkennbar gehalten wird. Fällt diese Voraussetzung,kann man durch Rückschlüsse vielleicht, wie zur spezifischen Wesenheit, so auchzur individuellen Wesenheit einer Person gelangen. Der zeitgemäße Artikelzeigt die Bedeutsamkeit scheinbar abliegender Fragen. S. leugnet nicht, daß

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