auch nach Thomas das Einzelwesen erkennbar ist (572). Will man freilich mehrals ein induktives, natürlich auch zu einer descriptiven Definition, zu einerTypisierung führendes cognoscere des Individuellen, also ein deduktives scire,wie es nur aus einer begrifflichen Wesensdefinition für alle Glieder einer Artfolgen kann, so scheint das Kontingente alles Individuellen, auch der „naturaindividui“ (S. Thom. 1, 2 q, 51 al), vorab beim Menschen wegen seiner Freiheit(worauf S. selbst hinweist 595) ein solches scire auszuschließen. In diesemSinne gilt: Scientia (nicht cognitio) est universalium. Was das Individuations-prinzip angeht, so deutet Thiel DivThom (Fr) 42 (1928) 37 die individuierendeMaterie auf die dispositiones praeviae, z. B. die Erbmasse, die in etwa auch immenschlichen Kompositum maßgebend bleibt. Auch Thomas nennt die (schonvon der vorhergehenden Form) informierte konkrete Materie (die natürlichauch nach ihm erkennbar ist) das Individuierende 1 q 85 a 1 ad 2: Hae carnes.Das Individuierende der Vorfonnen bezüglich des Werdens, des Daseins einesDinges erkennt auch S u a r e z an: Disp. met. V sect. 3 n. 28 n. 34, sect. 8 n. 4. Daßim statischen Sein die Form das spezifisch Differenzierende und zugleich dasauch jene früheren Vorformen in etwa Beherrschende ist, steht auch bei Thomasaußer Zweifel: Schol. 5 (1930) 162.
Man weiß, daß mit diesem Sonderproblem das große Problem des Rea-lismus c/a Nominalismus berührt wird. Es ist ein Ergebnis der letztenJahrhunderte, daß der Nominalismus allmählich zum Siege gelangt ist:wenigstens was das Wesen des Menschen anbetrifft. Wir schreiben demMenschen heute einen Individualcharakter zu, weil wir eine Person in ihmerkennen. Während also in der Natur zwei Exemplare — Tier •— imGrunde dasselbe sind, da die Tiere nur Gattungscharakter haben, sind zweiMenschen immer wesenhaft zwei. Tiere und Pflanzen haben keine Eigen-namen, wie der Mensch. Das menschliche Individuum ist ein ens positivum.
2. Stammt die Verschiedenheit der Menschen von demEinflüsse her, den die Sterne ausüben? War eine Frage, diedie Menschen der früheren Jahrhunderte lebhaft beschäftigte (und wiederumauch heute noch beschäftigt). Es gibt jetzt sehr genaue Beschreibungender Saturn-, Löwen-, Steinbock- usw. Menschen, die man in jedem Papier-geschäft kaufen kann. Während heute der Kreis der Astrologie-Gläubigenwohl verhältnismäßig klein ist (?), waren es vor ein paar hundert Jahren, wieman weiß, die höchststehenden Menschen, die sich zu dem Glauben an dieSterne bekannten. Zeugnis von der Bedeutung dieser Auffassung legt eineSchrift des bekannten Physiognomikers G. B. Deila Porta ab (der unsgleich wieder begegnen wird) die den Titel hat: Deila celeste FisonomiaLibri VI, nei quali ributtata la vanitä dell’astrologia giudiziaria. Si damaniera da esattamente conoscere per via delle cause naturali (!) tuttoquello che l’aspetto, la presenza e le fattezze degl’uomini possono fisica-mente significare e promettre. Padova 1623.
Noch tiefer drang die Frage