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schaftliche Berufsberatung in Amerika durch Professor Hugo Münster-berg im Jahre 1908 zurück. Als die Aufgabe der in diesem Büro auszu-führenden Untersuchungen wurde bezeichnet „die für den Beruf gültigenAnsprüche an das Seelenleben festzustellen“. Die Untersuchungen bezogensich auf 1. Wagenführer elektrischer Bahnen; 2. Schiffsoffiziere auf derKommandobrücke; 3. Telephonistinnen. Die „Gesamtfunktion“ wurde inBestandteile aufgelöst, und zwar: 1. Gedächtnis; 2. Aufmerksamkeit; 3. In-telligenz; 4. Genauigkeit; 5. Schnelligkeit. Zur Messung dieser Teilfunk-tionen dienten kunstvolle Apparate. Die Ergebnisse wurden niedergelegtin möglichst ziffermäßigen Urteilen, die die sogen. Tests bildeten.
Die Tatsachen, aus denen auf die Eigenarten des menschlichen Charak-ters geschlossen wird, sind entweder Taten und Werke des Beobachtungs-gegenstandes oder aber Formen des menschlichen Leibes oder seinerBewegungen.
3. Die Ordnungsprinzipien. Das wichtigste Ordnungsprinzipder wissenschaftlichen Menschenkunde ist das „G e s e t z‘, und zwar zu-nächst in seiner naturwissenschaftlichen Form als elementarkausales Ge-setz, das heißt als Formel für Regelmäßigkeiten, die in der Erfahrung be-obachtet worden sind. „Wir betonen, schreibt R. Müller-Freienfels,daß die körperliche Motorik durchweg von einer allgemeinen Gesetzlich-keit beherrscht ist und daß auch alle individuellen Abweichungen davongesetzlich bestimmt sind. Die Mechanik vermag es, aus Schnelligkeit etc.eines geschleuderten Geschosses Stücke und Art des Antriebs zu berechnen.Ebenso muß die Charakterkunde im Stande sein, aus den Eigenschaftender Körperbewegungen die Besonderheiten des Antriebs zu bestimmen...Die gleiche Gesetzlichkeit, die wir in der ganzheitlichen Körpermotorikund an den Bewegungen einzelner Organe aufzeigten, (läßt) sich auch anden Schreibbewegungen und ihren Objektivationen aufzeigen.“ Ein anderermoderner Seelenkünder spricht von der „Gesetzmäßigkeit“ unserer psychi-schen Verhaltungsweisen, die genau wie unsere Bewegungen „ein geord-netes System spezifischer Reaktionsweisen darstellen, indem jedes Glied anbestimmte Auslösungsbedingungen gebunden ist“ 58 ).
Um zu diesen „Gesetzen“ zu gelangen, wendet man das in allen Natur-wissenschaften beliebte Verfahren der Induktion an, das man zuweilenirrtümlicherweise als statistisches Verfahren bezeichnet.
Über den Unterschied dieser beiden Ermittlungsmethoden spreche ich ananderer Stelle. Siehe Seite 215.
Die beliebte Methode (der Induktion), die die differentielle Psycho-logie verwendet, nennt sie das korrelations-statistische Verfahren, Es beruhtdarin, daß eine möglichst große Anzahl von Fällen, in denen bestimmte