einen logisch-psychologisch evidenten Sinnzusammenhang. Einer der Be-gründer der differentiellen Psychologie, der zuerst fast ausschließlich innaturwissenschaftlichen Bahnen gewandelt war, William Stern , legtim Nachwort zur 3. Auflage seiner „Differ. Psychologie“ (1921), das Be-kenntnis zu dieser „verstehenden“ Menschenkunde mit den Worten ab:„Persönlichkeiten kann man — sofern sie Ganzheiten sind und auch geistigeine Einheit darstellen — nur nacherlebend verstehen.“ Die diff. Psycho-logie soll nur „die Bausteine liefern, aus denen sich dann die Einheits-struktur der Persönlichkeit aufbauen läßt in der verstehenden und zugleichgestaltenden Tat des Historikers, die zum großen Teil ein künstlerischesTun ist“. 00 )
Beide Richtungen der modernen Psychologie erklären nun aber als diewichtigste Aufgabe der Charakterologie — die „Typenbildung“.Diese scheinbare Paradoxie erklärt sich dadurch, daß beide Richtungenetwas sehr verschiedenes unter „Typus“ verstehen, beide aber zum echtenTypus überhaupt nicht gelangen, der, wie wir sahen, immer einen leib-haftigen, anschaubaren, lebensfähigen Menschen darstellen muß. Was manheute in der Charakterologie „Typus“ nennt, ist nichts anderes als ein„Korrelationsschema“, dessen vereinigte Merkmale immer nur Teilbestand-teile einer Individualität kennzeichnen. Die einen bilden dieses Schema mitHilfe einer vorwaltenden Disposition oder „Anlage“, um die sich eine Reihezugehöriger Merkmale herumlagert; die andern durch Aufstellung einessog. „Idealtypus“, d. h. eines unter teleologischem, sinnerfassendem Ge-sichtspunkte gebauten Schemas, durch das der Künstler, der Heilige, dieSchwiegermutter oder aber „der starre oder elastische Charakter“ undähnliche Geistgebilde gekennzeichnet werden sollen.
Verkörperer eines solchen Schemas ist kein homo, kein natürlicherMensch, sondern höchstens ein homunculus, ein künstlicher Mensch.
Wir können auch sehr wohl einsehen, warum diese beiden Arten vonKlassifikationen keine echten Typen bilden können. Deshalb nämlichnicht, weil sie von den beruflichen, sozialen, persönlichen Lebensbedingun-gen des Gekennzeichneten absehen und absehen müssen, wenn sie Ur-formen des menschlichen Charakters darstellen wollen. Nun gibt es aberohne Beruf, ja selbst ohne Umgebung keinen echten Typus: es gibt keinen„Soldaten“, den ich anschaulich machen könnte, sondern es gibt nur einenchinesischen und einen preußischen Krieger — zu einer bestimmten Zeitals Typus; es gibt keinen Heiligen als Typus jenseits von Raum und Zeit,sondern nur den indischen und den russischen Heiligen und so fort. Soldatund Heiliger sind abstrakte Allgemeinbegriffe, keine Typen 00 ).