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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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anlagen zusammen zu ordnen. Diese Rasse hat schon Kant einwandfrei defi-niert alsklassischen Unterschied der Tiere eines und desselben Stammes, so-weit er unausbleiblich erblich ist, womit richtig ansgesprochen ist, daß einerRasse immer nur angehören die Menschen (oder Tiere), die von einem Ur-Elternpaare abstammen.

Die Einteilung der Menschen in Rassen hat zu den verschiedenenZeiten großen Schwankungen unterlegen. Wenn wir von denjenigen absehen,die das ganze Menschgeschlecht als eineRasse ansehen, wie Friedrich M.(ah, mon eher Sulzer , vous ne connaissez pas cette maudite race, ä la quelle nousappartenons), so liegt die Zahl der angenommenen Rassen zwischen den Gren-zen 3 und 63. Als den ersten, der in der neueren Zeit eine Einteilung der Men-schen nach Rassen vornahm, betrachtet man in der Regel den französischen Rei-senden Francois Bernier, der im Journal des Savants von 1684 einen ganzkurzen, übrigens ziemlich inhaltslosen Aufsatz veröffentlichte unter dem Titel:Nouvelle Division de la terre par les differentes especes ou races dhom-m e s, qui lhabitent etc.

Die Geographen haben bisher die Erde nach Ländern eingeteilt, der Ver-fasser will sie anders einteilen: nach den 45Especes ou Races dhommes,dont la difförence est si notable quelle peut servir de juste fondement ä unenouvelle division de la Terre.

Der Sache nach findet sich aber diese Einteilung schon in dem erstaunlichenTeatrum ingenii humani des Ed. Neuhaus, dessen erste Auflage schon 1633erschienen ist.

Die Einteilung dieser beiden Männer läuft im wesentlichen hinaus auf diejenige,die schon im alten Ägypten beliebt war. Die Ägypter unterscheiden auf ihrenMonumenten vier Rassen nach der Farbe: rot gelb schwarz weiß, wofürsie auch Hieroglyphen haben. Siehe die Darstellung bei N o 11 und G1 i d d o n ,Types of Mankind (1854), 84 f. Diese Einteilung wurde dann im 18. Jahrhundert,als die Rassenkunde wissenschaftlich betrieben zu werden anfing, die übliche.Carl von Linne , der übrigens sein System mehrmals geändert hat, einigtsich schließlich auf die Unterscheidung von 4 Rassen nach den 4 Erdteilen undnach vier Farben: die rote (amerikanische), gelbe (asiatische), schwarze (afrika-nische) und weiße (europäische) Rasse. Diese Einteilung übernahmen dannBlumenbach, der als erster die Rassenkunde durch vergleichende Anatomiezu vertiefen getrachtet haben soll und Kant, nur daß diese beiden eine fünfte oliv-grüne Rasse hinzufügten, in der sie die Malaien unterbrachten. Überden Wert dieser Einteilung urteilte Alexander von Humboldt imKosmos I (1843), 382 f. also:Man mag die Klassifikation meines LehrersBlumenbach nach 5 Rassen... befolgen...: immer ist keine typischeSchärfe, kein durchgeführtes, natürliches Prinzip der Einteilung in solchenGruppierungen zu erkennen. Man sondert ab, was gleichsam die Extreme derGestaltung und Farbe bildet: unbekümmert um die Völkerstämme, welche nichtin jene Klassen einzuschalten sind. Die Zukunft brachte dann zunächst einegroße Vermehrung der Rassen durch fortschreitende Differenzierung derursprünglichen 4 (5) Rassen: so zerfiel alsobald die weiße Rasse in Arier undSemiten, die Arier zerfielen in Indogermanen und Mittelländer, die Indogerma-nen in Germanen, Slaven , Romanen, die Germanen in Unter-Rassen verschie-denster Art. Manche Forscher (Burk e) gelangten auf diesem Wege bis zu