Druckschrift 
Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
Seite
147
Einzelbild herunterladen
 

haften. Sofern es Eigenarten gibt, die der überwiegenden Mehrzahl oderdoch einer großen Menge von Menschen zukommen, spricht man wohl auchwieder von einer bestimmten Artung des Menschen oder der Menschheit,,was aber dann nicht den Sinn hat, eine denknotwendige Wesenheit des Men-schen zu bezeichnen, sondern nur das empirisch häufige Vorkommen einerEigenschaft.

Wie aber kann man das Mengenverhältnis feststellen, in dem eine be-stimmte Eigenschaft den Menschen zukommt?

Man hat die A r i t h m e t i k zu Hilfe gerufen, um das Problem zu lösen. Ichdenke an den bekannten Versuch Galtons, die Verteilung der Talente zubestimmen.

G a 11 o n nimmt 16 Begabungsklassen an, und würfelt einfach aus, wievielPersonen von einer Million auf die 16 Klassen entfallen. In der mittlerenJoefinden sich 256 791 Menschen; dann entfernen sich 8 nach oben, 8 nachunten, je bis nur eine Person sich noch in der letzten Klasse befindet. Dasist an der Spitze das größte Genie, am entgegengesetzten Ende der größteIdiot; die zweite Klasse von oben enthält 14, die dritte 233 hervorragendeTalente usw.

Will man dieser Rechenkunst nicht vertrauen, so bleibt nichts übrig alsdie Erfahrung, um die Mengen Verteilung der Eigenschaften auf die Men-schen zu ermitteln. Und solche Versuche, auf Grund der Erfahrung dieMenschen zu qualifizieren, sind oft gemacht worden. Wir werden ihren Wertum so höher einschätzen, je höher der Urteilende in der Rangordnung desGeistes steht. Dabei ist es gleichgültig, ob er Staatsmann, Dichter oderPhilosoph gewesen ist.

Ich will im folgenden die Ansichten einiger Eminenzen über die Artungdes Menschengeschlechtes mitteilen, die sich teils auf die ästhetischen, teilsauf die ethischen, teils auf die intellektuellen Eigenschaften der Menschenbeziehen. Die meisten Gewährsmänner teilen die Menschheit in zweiungleiche Hälften: eine sehr große und eine sehr kleine: die Vielen und dieWenigen.

In ästhetischer Hinsicht sagen sie dann: nur wenige Menschen hätteneine eigene, geprägte Individualität, die große Masse seit Durchschnittsgut,Dutzendware.

Es genügt, zur Feststellung dieser Wahrheit das bekannte UrteilSchopenhauers heranzuziehen, in dem das wenige, was zu sagen war,gesagt ist.

Während die Tiere nur Gattungscharakter haben, (kommt) dem M. alleinder eigentliche Individualcharakter zu... Jedoch in den meisten nur wenigwirklich Individuelles: sie lassen sich fast gänzlich nach Klassen sortieren.