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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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Ce sont des especes. Ihr Wollen und Denken wie ihre Physiognomien, istdas der ganzen Spezies, allenfalls der Klasse von Menschen, der sie an-gehören und ist eben darum trivial, alltäglich, gemein, tausendmal vor-handen. Auch läßt meistens ihr Reden und Tun sich ziemlich genau Vorher-sagen. Sie haben kein eigentümliches Gepräge sie sind Fabrikware...

Wozu zu bemerken ist, daß der Begriff Fabrikware der Zeit entsprach, dadiese Worte niedergeschrieben wurden, das heißt, der Zeit, in der Fabrik-ware und Pofelware vielfach gleichbedeutend waren. Heute, da erstklassigeAutomobile und kunstgewerbliche Gegenstände hohen Grades aus Fabrikenhervorgehen, muß man den Ausdruck, wie ich es getan habe, durch einenanderen ersetzen. Unserer Zeit würde vielleicht besser der Gegensatz ent-sprechen zwischen geprägten und gestanzten Menschen.

Übrigens bedarf es gar keines Kronzeugen, um uns zu überzeugen, daß diegroße Masse ästhetisch minderwertig ist, da die deutsche Sprache genügt,dieses festzustellen: was allgemein ist, sagt sie, ist gemein, gewöhnlich,ordinär, banal, trivial. Eine besondere Frage ist die: ob die Kultur-menschen zu allen Zeiten so häßlich gewesen sind wieheute. Diese Frage wird sich schwerlich jemals bestimmt beantwortenlassen, auch wenn sich die prähistorischen Zeugnisse noch so sehr häufensollten. Die Annahmen der Gobineau, Fustel de Coulanges, E v o 1 a u. a., daß es eine Zeit gegeben habe, in der Göttersöhne auf Erdenwandelten, ist leider unbeweisbar. Jedenfalls ist es lange her. Denn in histo-rischen Zeiten sind es offenbar immer nur wenige gewesen, die mit derGottesgabe Schönheit begnadet waren, wenigstens in unseren Breiten. Wirdürfen aus Otto dem Großen in Magdeburg, dem Bamberger Reiter und FrauUta im Naumburger Dom nicht darauf schließen, daß damals die großeMasse der Deutschen schöner war als heute. Sobald in der Gothik undRenaissance die bildende Kunst aufhört, eine Ilerrenkunst zu sein, tretenschon im 15. und 16. Jahrhundert dieselben häßlichen Menschen in den Bild-nissen und Skulpturen auf, wie sie die Gegenwart schmücken. Etwas besserschneiden vielleicht Teile der Nordländer und Englands ab, wo die Rassen-mischung nicht so groß gewesen ist.

Wie aber steht es mit den moralischen Qualitäten dieser Masse? Dabegegnen wir einer merkwürdigen Übereinstimmung bei allen urteilsfähigenBeobachtern: sie nennen sie bösartig, mechant, hinterhältig, zu allemSchlechten fähig und geneigt.

Ein paar beliebig herausgegriffene Beispiele werden das bestätigen.

Unser Freund Pierre le Charron, urteilt noch verhältnismäßig milde,wenn er schreibt:toutes les peintures et descriptions que les sages et ceux, quiont fort estudie en ceste Science humaine, ont donne de lhomme, semblent toutes