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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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Nun gibt es andere bedeutende Männer, zum Teil sind es dieselben, diesagen: wir geben zu, daß der Mensch moralisch minderwertig ist, aber wirbehaupten: noch viel größer als seine Bösartigkeit ist seine Dummheit.

Je ne pense point quil y ait tant de malheur en nous, comme il y a de vanite;ny tant de malice comme de sottise: nous ne sonnnes pas si plains de mal commedinanite, nous ne sonnnes pas si miserables comme nous sommes vils. Mon-taigne, Essais; Livre I Ch. L.

Nach Friedrichs Urteil halten sich Bösartigkeit und Dummheit die Waage.Die meisten Menschen sind unvernünftig. An Jordan 24. 6.1742.Die großeMasse unseres Geschlechtes ist dumm und boshaft. An Voltaire 31.10.1760.Die Vorurteile sind die Vernunft des Volkes und verdient dies blöde Volk auf-geklärt zu werden? An Herzogin Luise Dorothea von Gotha. 4. 2.1763.DerPöbel verdient keine Aufklärung. An Voltaire. 7.8.1766; ebenso an DAlembert 8.1.1770, an Heinrich 4.12.1781.Wenn sich unter tausend Menschen einerfindet, der denkt, so ist das viel. An Voltaire 25.2.1766.

Ähnlich Kant:Frägt man... ob die Menschengattung... als eine gute oderschlimme Rasse anzusehen sei: so muß ich gestehen, daß nicht viel damit zuprahlen sei. Doch wird jemand, der das Benehmen der Menschen ins Augenimmt, zwar oft versucht werden, misanthropisch den Timon, weit öfter aber undtreSender den Momus in seinem Urteile zu machen und Torheit eher als Bosheitin dem Charakterzug unserer Gattung hervorstechend finden. Er zitiert dann.auch noch den Ausspruch Friedrichs :Ah, mon eher Sulzer, vous ne con-naissez pas cette maudite race ä laquelle nous appartenons... Anthropologie.Ed. princ., Seite 332.

Kant wußte, daßaus so krummem Holze, als woraus der Mensch gemachtist, nicht ganz gerades gezimmert werden kann und stellte fest, wenn er derMenschen Tun und Lassen auf der großen Weltbühne betrachtete, daßbei hinund wieder anscheinender Weisheit im einzelnen, doch endlich alles aus Torheit,kindischer Eitelkeit, oft auch aus kindischer Bosheit und Zerstörungssucht zusam-mengewebt sei. Vgl. Karl Vorländer , Kant als Deutscher (1919), 52.

Schiller :Vernunft ist stets bei wenigen nur gewesen.

Goethe:Sag es niemand nur den WeisenDa die Menge gleich verhöhnet.

Alles Große und Gescheite existiert in der Minorität. Die Vernunft wirdimmer nur im Besitze einzelner Vorzüglicher sein. Zu Ecker mann 12.2.1829.

Nichts ist widerwärtiger als die Majorität, denn sie besteht aus wenigenkräftigen Vorgängern, aus Schelmen, die sich accomodieren, aus Schwachen, diesich assimilieren und der Masse, die nachtrollt, ohne nur im mindesten zu wissen,was sie will. Maximen und Reflexionen 604.

Bi s m a r c k :Die öffentliche Dummheit (war für die Wirksamkeit der Presse)so empfänglich wie immer. Gedanken und Erinnerungen 2, 13.

Es gehört ein ungewöhnliches Maß von Dummheit und Verlogenheit in deröffentlichen Meinung und in der Presse Rußlands dazu.,.Die Verlogenheitwar mehr polnisch-französischen, die Dummheit mehr russischen Ursprungs ...eb. S. 291.Wenn man im politischen Leben den Glauben an die geheime Ein-sicht aller zugrunde legt, so gerät man in einen Widerspruch des Staatsrechts