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und die Macht des gemeinsamen Daseins. Allein das Volk hatteBestand..usw. 71 )
Diese Verteidigung und Verherrlichung des Volkes in Gestalt II und IIIfanden unter den deutschen Philosophen und Publizisten ihre Vertreter inFichte, Jahn, Arndt 72 ), u. a. die man zusammen mit einer AnzahlDichter üblicherweise als Romantiker zusammenfaßt. Zu ihnen müssenwir auch die Geschichtsenthusiasten rechnen, die in allen europäischenLändern in Wissenschaft und Literatur Bedeutung gewinnen. Diese roman-tische Gesinnung haben wir als dritte Quelle der modernen Volkslehre an-zusehen. Hatten sich die Patrioten vor allem für Volk II erwärmt, so tratendie Romantiker auch für dieses, dann aber mit besonderem Eifer für Volk IIIein. Dieser Enthusiasmus für das Volkstümliche hatte seinen Widerhallschon früher in der Verherrlichung des Bon sauvage gefunden und wurdejetzt auf alles Urwüchsige auch der Kulturvölker in Vergangenheit undGegenwart übertragen. Dieser Arm der Volkslehre erhielt dann im Laufedes 19. Jahrhunderts einen mächtigen Zustrom aus der Ethnologie, wo mandie „mentalite primitive“ entdeckte.
So verschieden die Anstöße waren, durch die man zu der Beschäftigung*mit dem „Volke“ gedrängt wurde, so verschieden waren im Laufe der Zeitdie Verfahren, derer man sich beim Studium dieses neu entdeckten Gegen-standes bediente. Wiederum finden wir die drei verschiedenen Betrach-tungsweisen oder Einstellungen am Werke, denen wir schon öfters im Ver-lauf dieser Darstellung begegnet sind und denen wir nunmehr unser Augen-merk zuwenden wollen: es sind die metaphysische, die naturwissenschaft-liche und die geistwissenschaftliche Methode.
I.
Da in der Zeit, als die Lehre vom Volke fester begründet wurde, nament-lich in Deutschland die Metaphysik in hohen Ehren stand und die „Auf-klärung“ mit ihren wissenschaftlichen Zielsetzungen schon im Abklingenbegriffen war, so ist es nicht zu verwundern, daß unser Wissenszweig inreichlichem Maße mit metaphysischem öle gesalbt ist. Schon die Vor-stellung, die man sich von dem Volke machte, trug metaphysisches, ideen-haftes Gepräge und entbehrte der begrifflichen Schärfe. Das Volk wurdeals eine überempirische Wesenheit, als die Erscheinungsform einer myste-riösen Substanz betrachtet.
Solcher Art ist etwa die Vorstellung vom Volke (Begriff des Volkesdürfen wir nicht sagen) bei I. G. Fichte, die er wie folgt umschreibt:„Was könnte es nun sein, das dieser Aufforderung und diesen Glauben des-