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brauche geschützt und erhalten, und zwar in einheitlicher Form,was nicht zuletzt die Wirkung des Konfuzianismus ist. Wie sichdurch die Jahrtausende eine einheitliche Sprache und Schrift er-halten hat, konnten wir schon feststellen;
2 . Merkmale des Blutes: hier ist die starke Kraft der chinesischen Erb-masse hervorzuheben, die selbst bei Vermischung mit rassisch frem-den Stämmen doch sich als Dominante herausarbeitet. Dazu kommtdie starke Fähigkeit, fremde Volkskörper zu assimilieren, selbst dieEroberer. Diese rassische Konstanz wird unterstützt durch dieFähigkeit der Chinesen, unter den verschiedensten, klimatischenBedingungen leistungsfähig zu bleiben, eine Fähigkeit, die im Laufeder Jahrhunderte durch Auslese verstärkt ist und die wohl ihrenGrund in der Eigenart der klimatischen Verhältnisse in der Urheimatder Chinesen, im Nordwesten Chinas, hat;
3. Merkmale des Bodens: die Chinesen sind unter allen Völkern amlängsten bodenständig geblieben: in vielen Jahrtausenden sind Volkund Raum in China zusammengewachsen und bedingen sich gegen-seitig. Die Stärke der chinesischen Kolonisation beruht nicht zuletztdarin, daß die Ausdehnung des Volkes dauernd im Zusammenhängemit dem Ursitze erfolgte, während die meisten andern Völker —man denke an die europäischen! — ihre Urheimat aufgegebenhaben 86 ).
Ebenso strittig wie die Abgrenzung istdieFragedesEintrittsundAustritts in das und aus dem Sprachvolk.
Ganz abwegig ist die Antwort, die extreme Individualisten und Demokra-ten, namentlich französischen Gepräges auf die Frage geben: 87 ) es hängevom freien Entschluß des Einzelnen oder dem „Volkswillen“ ab,welchem Volke jemand angehöre. Offenbar liegt hier eine Verwechselungvon Staatsvolk und Sprachvolk vor. Während für jenes die subjektive Be-stimmung der Zugehörigkeit ihren guten Sinn hat, ist sie für dieses völligsinnlos. Offenbar entscheiden objektive Umstände über Eintritt und Aus-tritt beim Sprachvolk. Den „Eintritt“ können wir als Einvolkung be-zeichnen und wir müssen uns die Frage vorlegen: ob es so etwas wie eine„Einvolkung“, also z. B. Eindeutschung, wir müssen hinzufügen: in histo-risch überblickbarer Zeit gibt. Denn daß in „früherer” Zeit Fremde zuDeutschen , Franzosen, Engländern usw. geworden sind, wird nicht be-zweifelt werden können. Aber sind wir Hugenotten , sind z. B. AdalbertChamisso oder Th. Fontane Deutsche oder Franzosen; ist H. St.Chamberlain Deutscher oder Engländer; waren Männer wie GrafPahlen, Graf Witte , Stürmer und viele andere Deutsche oder