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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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Die Aufgabe, die man dem Studium dieser Volksschichten stellte, zerfielnun in drei Teile:

1. sammelte man museumsmäßig alle Zeugnisse und Erzeugnisse desGrundvolkstums: geistige und sachliche, welche Unterscheidung zweiZweigen der empirischen Volkstumkunde zum Blühen verhalt: der Geistes-volkstumkunde und der Sachvolkstumkunde. So entstanden die Samm-lungen vom Volkslied bis zum Krippenspiel, vom Hausgerät bis zur Fest-kleidung, Sammlungen, die den Inhalt besonderer Museen oder zahlreicherBücher, nicht zuletzt der unermeßlich großen Menge von Volkskunde-Zeit-schriften bildeten, in denen die einzelnen Gegenstände sorgfältig beschriebenwurden.

2. studierte man die Seelenverfassung der Kreise, aus denen Kulturguterwachsen war: diesem Teil der Aufgabe wurde besondere Wichtigkeit bei-gelegt.

Die Arbeit der Volkskunde gilt nicht der Dingwelt, sondern dem Ding-träger, schreibt ein hervorragender Vertreter dieser Disziplin; ihre Aufgabeistdie Erhellung des geistig-seelischen Lebens des Menschen im Volks-raum. Die VK. suchtden Herzschlag des Volkslebens und dessen gestal-tenden Rhythmus zu erlauschen.In Volksglauben und Volksbrauch,Volkssagen und Erzählung, Volksrede und Volkswitz, im Volkslesestoff wiedem Volkslied, dem Volksspiel und der Volkskunst offenbaren sich die Ele-mente jener Geistigkeit, die wir die volkstümliche nennen, weil sie die natur-hafte Bindung von Mensch zu Mensch gibt_ Ad. Spamer, Die Volks-

kunde als Gegenwartswissenschaft, 1932.

Sehr schön drückt diese Gedanken Bogumil Goltz wie folgt aus:

Mit dieser unverkümmerten, unverkünstelten und unverhaltenen Volks-natur, mit ihrer Ruhe und Stofflichkeit, mit ihrem Mutterwitz, ihrem Gottes-instinkt und ihrer Übernatürlichkeit arbeitet der Weltgeist, als mit seinemlebendigen und bildsamsten Stoffe, seine übernatürlichen Naturgeschichtenaus. Diese so weichen und so quecksilbernen und dann wieder so sprödenund strengflüssigen Volksmassen, diese schiedlichen und friedlichen Lebens-arten des Volkes sind eben die irdischen, gleich wie die himmlischen Bild-und Zeugungskräfte der Menschheit; darum sind aber auch dieRevolutionen die zerstörende Macht, der göttliche Unsegen und der Fluchdieser Erdennatur_

Bog. Goltz, Zur Physiognomie und Charakteristik des Volkes, 1859,Seite 4/5.

3. Man studierte die Beziehungen zwischen Oberschicht und Unterschichtund stellte (als einGesetz!) fest, daß alle Kulturgüter ihren Weg von der