Druckschrift 
Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
Seite
210
Einzelbild herunterladen
 

Hierher gehören, außer der genannten Kosmographie, aus dem 15. und16. Jahrhundert die Beschreibungen der Zustände Deutschlands und Frank-reichs durch Aeneas Silvius, die Charakterisierung der verschiedenenNationen in dem physionomischen Werke Deila Portas, Boemus,Omnium gentium mores, leges et ritus (1520). Die Staatsschriften Sanso-v i n o s (1562), B o t e r o s (1589) u. a.

Im 17. Jahrhundert vermehrt sich ihre Zahl rasch. Sehr lehrreich ist dasschon früher genannte Buch von Neuhus, bekannt sind die RespublicaeElzevirianae (16241640). Reich an Stoff ist D. T. Y. Y., Les estats, em-pires et prinzipautez du monde. Representez par la description des Pays,moeurs des habitants etc. 1625. In diese Zeit gehört auch die Abfassungvon Schriften in den verschiedenen Ländern, die den Völkern als idealeVorbilder dienen sollten, The compleat English Gentleman von D. D e f o e rEl Heroe von Lorenzo Gracian Infanzö'n (1659).

Diese Literatur verzweigt sich dann in die volkstümliche Schilderung derSitten und Gebräuche, namentlich der Trachten, einerseits, von welcherArt Schriften z. B. der Katalog der Freiherrlich von LipperheidischenKostümbibliothek (Berlin 18961901) vom 16. Jahrhundert bis zur franzö-sischen Revolution 83 Nummern aufführt, und in die wissenschaftliche Lite-ratur über dieStaatsmerkwürdigkeiten, die namentlich in Deutschland inder sogen. Göttinger Schule zu hoher Blüte gelangte und unter dem NamenderAchenwallsehen Statistik bekannt ist, andererseits. Sie warkeine Statistik, sondern das, was der Titel des Hauptwerkes ihres Begrün-ders ausdrückte:Abriß der neuesten Staatswissenschaft der vornehmsteneuropäischen Reiche und Republiken. Dieser Abriß erschien 1749.

Zu hoher Kunst war die vergleichende Völkerkunde mittlerweile ent-wickelt worden in Frankreich , wo sie J o h. B o d i n u s begründet hatte,durch Voltaire, Montesquieu u.a., und ein französischer Autorkonnte schon im Jahre 1769 es für nötig halten, eine Schrift über diesenGegenstand mit den Worten entschuldigend einzuführen:On a tant et sibien derit sur les hommes et leur differente maniere de penser, de se con-duire et detre gouvernes que bien des gens trouveront peut-ötre inutil, unouvrage nouveau sur une matiere quils croient epuisee...") also das Themader vergleichenden Völkerkunde im Jahre 1769 erschöpft!

* * *

Diese aus wissenschaftlichem Interesse oder Neugier vorgenommene Be-schreibung fremder Völker und schließlich auch des eigenen Volkes wurdein ihrer Bedeutung zurückgedrängt durch die Beobachtungen, die man, dasheißt die Regierenden, aus praktisch- politischen Interessen am