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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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eigenen Volke frühzeitig anzustellen für notwendig erachteten. Die Be-deutung dieseramtlichen Beobachtungen lag vor allem darin, daß siebald auf dem Wege der Zählung, das heißt der Statistik, vorgenommenwurden: man suchte sich auf diesem Wege für die Leitung der öffentlichenAngelegenheiten nützliche Kenntnisse zu verschaffen, eingedenk desC i c e r o ianischen Satzes:ad consilium de re publica dandum, caput est,n o s s e rem publicam.

Dabei handelte es sich natürlich im wesentlichen um die Feststellung derleiblichen Eigenarten der Völker.

Die Aufnahmen, die man machte, waren personal- oder realstatistischerArt, von denen uns hier die erstgenannten, also die bevölkerungsstatisti-schen Ermittelungen angehen; sie trugen wiederum verschiedenes Gepräge,je nachdem die statistische Erfassung der Bevölkerungsverhältnisse sichnur als Folge anderweiter verwaltungstechnischer Maßnahmen ergab, alsosekundärstatistischer Natur war oder durch eigene Erhebungen zu statisti-schen Zwecken herbeigeführt wurde.

So sollen in China 800 v. Chr., in Aegypten 500 v. Chr. unterA m a s i s, in Japan 86 v. Chr. schon regelrechte Volkszählungen ver-anstaltet sein.

Hoch entwickelt war die amtliche Personalstatistik in beiderlei Gestaltin den Staaten des klassischen Altertums.

In Griechenland war auf dem Gebiete der Personalstatistik mehrdas Register- als das Zählungswesen ausgebildet. Doch fanden auchVolkszählungen statt, wie die durch Demetrius in Athen veranstaltete,

In R o m ist die Bevölkerungsstatistik zu hoher Blüte gelangt durch dieEinrichtung des Zensus, der teils in fortlaufenden Eintragungen in die Bür-gerrollen und Steuerlisten, teils in periodischen Volkszählungen bestand.Von diesen ist diejenige am bekanntesten, die unter Augustus stattfand,weil sie in die Zeit von Christi Geburt fiel und im Evangelium Lucae zumewigen Gedächtnis aufgezeichnet ist. Der letzte Zensus soll unter V e s p a-sian veranstaltet sein.

Während des Mittelalters begegnen wir staatlich-statistischen Per-sonenaufnahmen nur im Bereiche der arabischen Herrschaft, währendim übrigen Europa das Zählungswesen im wesentlichen auf die Städtebeschränkt war. Hier handelte es sich meist um die Führung von Bürger-listen u. ä., während eigentliche Volkszählungen selten waren; wie in Nürn-berg und Straßburg im 15. Jahrhundert.

Eine wesentliche Förderung erlebte die statistische Kunst durch die Aus-bildung der modernen Staaten. Am frühesten beginnt das staatlicheVolkszählungswesen in Italien, wo wir in Sizilien im Jahre 1501 oder 1505,

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