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reise nach Peking in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf Grund der ihm zuGesicht gekommenen Masse des Jahresbedarfs an Salz anstellte und die ihn zueiner Annahme von 330 Millionen Einwohnern Chinas führte: einer Ziffer, dieder Wirklichkeit verblüffend nahe gekommen sein dürfte.
Erst das 19. Jahrhundert, als das Jahrhundert der Massen auf allen Ge-bieten, entwickelt auch die Lehre von den Massenerscheinungen, die Sta-tistik, zu höchster Vollkommenheit und schafft in den allerorts begründetenstatistischen Ämtern die notwendigen Organe zur Durchführung der statisti-schen Zwecke. Es brachte aber auch — die Kritik.
Vor allem an der Hand der Kirchenbücher hat sich dann im Laufe des17. Jahrhunderts die wissenschaftlich-statistische Methodeentwickelt, eine Art Errechnungstechnik, die man auch politische Arith-metik nannte und teilweise (v. Mayr !) noch nennt. Sie griff sehr bald überihren ursprünglich im wesentlichen praktischen Aufgabenkreis (Grundlagenfür Versicherungszwecke zu schaffen) hinaus und lenkte die Statistik in dasFahrwasser der naturwissenschaftlichen Problemstellung. Ihr vor allemist es zu danken, wenn diese auf lange Jahre hinaus dem Phantom einer„exakten“ „Gesetzes“ wissenschaft nachgejagt ist.
Die Begründer dieser statistischen „Methode“ in England sind JohnG r a u n t (1662), WilliamPetty, Edm. Halley (1692/93); in Deutsch-land Kaspar Neu mann, I. P. Süßmilch u. a.
Den Gipfelpunkt erreichte sie in Adolf Quötelet (1796—1874), dessenSpuren wir noch einmal begegnen werden.
Man hat viel über die Bedeutung des Wortes Statistik ge-stritten. In „richtiger“ Auffassung, das heißt zweckmäßigerweise verwendetman es, um damit eine bestimmte Erkenntnisart zu bezeichnen, die imGegensatz etwa zur Induktion steht. Einen ganz anderen Sinn hat dasWort damals bekommen, als man Statistik einen Umkreis von Wissen, näm-lich das Wissen um die sogen. „Staatsmerkwürdigkeiten“ nannte und dar-aus eine Disziplin im Universitätsbetriebe machte, deren Begründer Göt-tinger Professoren waren, an deren Spitze erst G. Achenwall , späterS c h 1 ö z e r standen. Uns interessiert diese Art von „Statistik“ an dieserStelle deshalb nicht, weil sie im wesentlichen von Staatseinrichtungen,nicht von dem Volke und seinen Eigenarten handelt.
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Im 19. und 20. Jahrhundert haben die Wissenszweige, deren Entstehungich soeben geschildert habe, sich teilweise erhalten und weiterentwickelt,sind aber auch neue am Baume der Erkenntnis gewachsen, so daß heuteeine große Menge von Disziplinen die leiblichen Eigenarten der Völker zuermitteln und zu vermitteln sich angelegen sein läßt.