Druckschrift 
Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
Seite
235
Einzelbild herunterladen
 

235

bringen, besteht darin, daß man versucht, die verschiedenen Aus-wirkungen des menschlichen Geistes durch ihren Bezugauf die menschliche Seele zu einer Einheit zu verbinden.

Absolutes Königtum Theismus gehören zusammen, weil Menschen, diean einen persönlichen Gott glauben, einen absoluten König fordern; Bach-sche Musik protestantischer Kirchendienst: Menschen, die an dem ratio-nalen Geiste Bach scher Musik Gefallen finden, gefällt auch der nüchterneprotestantische Gottesdienst; Schinkel scher Stil preußisches Militär:?Vorliebe für das Schlichte, Einfache, Gradlinige usw.

Bei diesem Verfahren, wie mir scheint: dem einzig zulässigen, um zueiner Einheit des Geistes zu gelangen, das also darin besteht, objektivegeistige Tatsachen in subjektive seelische Vorgänge oder Zustände zu trans-ponieren, offenbart sich mir in den objektiven Geistgebilden nun abernicht die Eigenart des Volkes, sondern ich muß diese aus jenenerst erschließen. Der Geist, der sich in den objektiven Werken derKultur bekundet, kann dann immer nur als ein Mittel zur Erfor-schung der völkischen Eigenart dienen, die selbst alleinund ausschließlich in der Eigenart der einzelnen Volks-genossen begründet ist. Volk II und III haben also keinen eigen-tümlichen Geist, sondern sind in ihrer Eigenart nur zu erfassen, wenn mandie Eigenart der einzelnen Mitglieder ermittelt.

Damit stehen wir vor einem neuen Probleme: wie erkennen wirdieEigenart eines Kollektivs, sage Volks, in seinen Glie-dern und wie gelingt es, die Eigenart vieler einzelner als kollektive Ein-heit zu erfassen.

Dabei handelt es sich zunächst um die im vorigen Kapitel schon behan-delte äußere Form der Erkenntnis: ob diese intuitiv oder diskursiv und indiesem Falle: ob induktiv oder statistisch ist. Hierin besteht kein Unter-schied zwischen der Erkenntnis leiblicher und seelisch-geistiger Eigenart,so daß das bereits Gesagte genügt. Der Unterschied beginnt mit deninneren Formen der Erkenntnis, mittels deren wir zur Feststellung derbemerkenswerten Eigenschaften oder Merkmale gelangen. Da bot sich imvorigen Kapitel als einzige Form die unmittelbare Feststellung durch sinn-liche Wahrnehmung. Hier dagegen, im seelisch-geistigen Bereich, müssenwir unterscheiden zwischen einer Form der unmittelbaren und einer solchender mittelbaren Ermittelung.

Unmittelbare Feststellung seelisch-geistiger Eigenarten nenneich diejenige, die durch Beobachtung des einzelnen erfolgt,genauer seiner Äußerungen in Wort oder Tat, denn seelisch-geistige Eigen-schaften können immer nur an Wort oder Tat erkannt werden. Diese Beob-