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achtungen kann ich machen, indem ich dem Worte folge, das Mommseudem fünften Bande seiner Römischen Geschichte als Motto vorgesetzt hat:„Gehe durchs Land und sprich mit jedermann“.
Auf diesem Wege kann ich etwa folgende Feststellungen machen: Gepäck-träger, Chauffeure, Kellner, Schaffner und wem der Reisende sonst begegnet,sind in diesem Lande gröber als in dem Nachbarlande;
Kirchen sind in dieser Stadt leer, in einer anderen voll; dieses „Volk“ hatLust am Spazierengehen, jenes nicht, denn dort ist die ganze Stadtbevölke-rung Sonntags vor den Toren, hier auf der Promenade oder auf der Piazza;
dieses „Volk“ ist naiv, natürlich, urwüchsig: die Mütter säugen ihreKinder öffentlich;
die Frauen haben in einem Lande Schönheitssinn, in einem anderen nicht;erkannt an dem Geschmack ihrer Kleidung usw. Das „Volk“ hat Verständ-nis für gutes Essen und Trinken: erkannt an den Mahlzeiten im einfachenLandwirtshause;
das „Volk“ ist „musikalisch“: es singt richtig;
das „Volk“ ist „geweckt“, „leicht von Begriffen“: es versteht auch schlechtformulierte Fragen und gibt gescheite Antworten;
die Unterhaltung in den „Salons“ des einen Landes ist noch langweiligerals in denen des anderen;
die „Gastfreundschaft“ ist in dem einen Lande größer oder herzlicherals in dem anderen (in den Kreisen, in denen ich verkehre, wohlgemerkt).
Ich kann mir aber auch die Untersuchungsfälle künstlich präparieren.Das geschieht mittels des sogen. Test-Verfahrens, das bekanntlichdarin besteht, daß ich einen bestimmten Kreis von Menschen nach einembestimmten Frageschema auf bestimmte Eigenschaften hin prüfe.
Solche Test-Prüfungen unter völkerpsychologischen Gesichtspunkten sind nichtsehr häufig. Eine viel bemerkte Studie ist die von Otto Klineberg, A study of psychological differences between „racial“ and national groups inEurope. New York. Columbia University Press. Archives of Psychology.No. 132. 1931.
Sie wird ernsthaft eingeschätzt und — mit einigen Einwendungen — benutztin dem seriösen Buche von Frank Lorimer und Fred Osborn, Dyna-mics of Population. 1934. Ch. VI.
Ein anderer Amerikaner, der seine „Rassen“- (lies: Völker-) psychologischenStudien mit Vorliebe auf Tests gründet, die er für Intelligenz, Kunstgefühl,.Musikbegabung u. a. durchführt, ist T. R. Garth. Sein Hauptwerk: Race Psy-chology. A study of racial mental differences. New York . 1931. Mit zahlreichenHinweisen auf das einschlägige Schrifttum.
Endlich ist es auch möglich, daß von anderer Seite bereits Massenfest-stellungen gemacht worden sind, deren icli mich bedienen kann. Hierhergehören viele Ergebnisse der Kriminal- und Moralstatistik.