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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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schwimmen in demselben Element, ihre Intelligenzen stecken in derselben Uni-form, in derselben Schule und Politik ..

Während an einer deutschen Frau sich in jeder Miene und Bewegung einEigen-Wesen offenbart... dem deutschen Gefühl und Gewissen erscheintalles (in Frankreich) . . . aus der National-Fabrik und vom Dutzendzu sein.

Der Deutsche _ individualisiert aus innerem Bedürfnis und

berücksichtigt bei seinen Theorien, Gesetzgebungen und gouvernementalen Maß-regeln die unterschiedene Natur der Dinge, Menschen und Verhältnisse. DerFranzose schmeißt die diskrepantesten Dinge und Geschichten zusammen,weil er selbst nicht Person genug ist, weil er einen Schematismus in der Seelehat, weil die Uniformität seinem oberflächlichen, abstrakten Wesen ent-spricht.

Der Deutsche... hat seinen Kopf für sich, aber es sind auch Gedankendarin und er ist durch sein Gemüt, durch seinen Charakter eine Person; währendder manierliche und charakterlose Franzose selten als Individuum mehr inder Masse eine Bedeutung gewinnt.

Die Deutschen sind ihrer Natur nach ein Lehr- und Lernvolk, eine prädesti-nierte Kulturrasse... also können sie keine Virtuosen der Tat, keine poli-tischen Schablonenmenschen (politische Charaktere genannt), keine dramati-schen Helden, keine fertig geprägten Dutzendexemplare des Nationalstolzes, desNationaldünkels und der Nationalborniertheit, der Nationaluniformität und derNationalmechanik sein, wie die Engländer und Franzosen .

Ein Vergleich zwischen Italienern und Nordlandsvölkern,namentlich Deutschen, ergibt in den Augen zweier bedeutender Männer,die ungefähr um dieselbe Zeit ihre Eindrücke niederschrieben B o g u m i 1Goltz, Der Mensch und die Leute (1858) und Viktor Hehn, Italien (1867),VIII folgendes Bild.

Goltz :Der Italiener begreift einen echten Deutschen weder auf der Peri-pherie seines Wesens, noch in irgend einem Punkte, denn er ist durch und durch... ein Materialist. Von deutscher Schamhaftigkeit und Gewissenstiefe, von deut-scher Ilerzens-Delikatesse, Sentimentalität und Romantik versteht und bewegter keinen Hauch und kein Wort. Der Deutsche ist ihm in diesen Dingen wie inseiner ganzen Philosophie und Lebensart halb ein Tölpel und, halb ein Narr.

Der Italiener hat weder Verstandes- noch Gemütstiefe, wenig Gewissen,wenig sittliche Indignation, keine Vernunftbildung, blutwenig Ehrgefühl undnoch weniger Scham ...

Wahrhafte Originale und Genies sind nur in Deutschland und England zuHause.

Man muß Italiener ... man muß italienische... Weiber in Zorn, in Eifer-sucht, in Mißlaune, in beleidigter Eitelkeit, man muß sie in gestörtem Gleich-gewicht sehen, um sich zu überzeugen, was für ein erbärmliches, indignierendes,die Menscheit entwürdigendes Ding diese belobte südliche Grazie ist...

Eine gemeine Organisation, eine sich forterbende, potenzierende Ehrlosigkeitund Nichtsnutzigkeit, ein abgründlicher, mit sich selbst kokettierender Materia-lismus, ein unverschämter, zeugungsunkräftiger, ein schuftiger Naturalismus

S o m b a r t : Vorn Menschen

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