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als die zweier artverschiedener Mentalitäten. Schon heute könnenwir unter den „Primitiven“ eine wachsende Zahl rational denkender *
Individuen wahrnehmen und können feststellen, daß die Angehörigenprimitivster Waldstämme nach entsprechender Erziehung durchausin der Lage sind, z. B. ein vorzügliches Doktorexamen abzulegen, 113 ) <'
während unter den „Kultur“-Völkern das magische Denken keines-wegs ausgestorben ist. Der Gegensatz von Kultur- und Naturvölkernals solche mit rationaler und solcher mit magischer Denkweise ver-liert auch dadurch an Bedeutung, daß wir in einem höchstkultiviertenVolke wie dem chinesischen die magische Denkweise noch in einemsehr weiten Umfange verbreitet finden. — /
Die Einteilung der Völker, von denen bisher die Rede war, be-wegen sich auf der Ebene empirisch feststellbarer und beweisbarerTatsachen und erheben deshalb den Anspruch, wissenschaftlich ver-treten werden zu können (so schwer in vielen Fällen die wissenschaft-liche Begründung durchführbar sein mag). Nun besitzen wir aber j,
eine ganze Reihe von Einteilungshypothesen, die sich um strikte Be-weisbarkeit überhaupt nicht kümmern, sondern sich damit begnügen,da zu sein. Sie sind oft amüsanter und reizvoller als die andern undwerden deshalb hier in einer angemessenen Auswahl verzeichnet.
Allen diesen — nennen wir sie — phantastischen Gruppenbildun-gen voran steht
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9. Die Unterscheidung der Völker in Männer- und Weiber-Völker, d. h. — da es sich nicht um reine Männerbünde oderAmazonenstaaten handelt — in solche Völker, in denen das „männ-liche Prinzip“ und solche, in denen das „weibliche Prinzip“ vor-herrscht. Man hat diese „Bi-polarität“ auf den leiblichen Habitus aus-gedehnt und schlanke, hagere Männervölker von breithüftigen -
Weibervölkern mit Neigung zum Embonpoint entsprechend denbeiden Rasserv: der Brustrasse und der Bauchrasse unterscheidenwollen.
Der Gegensatz soll sich darin vor allem äußern, daß die Männer-völker auf geistigem Gebiete die Lust zum Zeugen, die Weibervölkerdie Lust zum Austragen und Gebären haben. !
„Es gibt zwei Arten des Genius: eines, welches vor allem zeugt undzeugen will und ein anderes, welches sich gern befruchten läßt undgebärt. Und ebenso gibt es unter den genialen Völkern solche, denendas Weibsproblem der Schwangerschaft und die geheime Aufgabe desGestaltens, Ausreifens, Vollendens zugefallen ist — die Griechenz. B. waren ein Volk dieser Art, ingleichen die Franzosen; und andere,