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welche befruchten müssen und die Ursache neuer Ordnungen des* Lebens werden — gleich den Juden, den Römern und, in aller Be-
scheidenheit gefragt, den Deutschen ? Völker, gequält und entzücktvon unbekannten Fiebern und unwiderstehlich aus sich heraus-gedrängt, verliebt und lüstern nach fremden Rassen (nach solchen,welche sich befruchten lassen) und dabei herrschsüchtig, wie alles,was sich voller Zeugekräfte und folglich ,von Gottes Gnaden“ weiß.Diese zwei Arten des Genius suchen sich wie Mann und WeSb;aber sie mißverstehen auch einander, wie Mann und Weib.“ MeinteNietzsche im Jenseits. Nr. 248.
> Gobineau, der wohl zuerst diese Unterscheidung getroffen hat.
stellt als Schulbeispiel der beiden Völkertypen die Chinesen und dieHindus auf, während man heute die Extreme gerne in den männ-lichen Indianern und den weiblichen Negern erblickt.
Sicher steckt ein richtiger Kern auch in dieser „Theorie“, die nur} wie fast alle Völkertypentheorien an dem Fehler leidet, daß sie
gegenüber den modernen Völkern versagt, weil diese ein zu starkesGemisch der verschiedenen Grundformen darstellen. Immerhin: auch■ bei den europäischen Völkern heutiger Prägung bleibt noch ein Rest
des Gegensatzes von Männer- und Weibervölkern sichtbar: Engländerund Franzosen lassen sich schon unter diesem Blickpunkt unter-st scheiden, während Deutschland freilich wiederum das bunteste
Durcheinander aufweist, mit bedenklicher Hinneigung allerdings nachdem weiblichen Typus.
Wir werden diesem reizvollen Mann-Weib-Schema noch einmal be-gegnen, wenn wir in dem Abschnitt, der davon handelt: „Wie Völker<. , entstehen“ die sogenannte Zwei-Völkertheorie eingehender untei
suchen werden: siehe das 24. Kapitel.
10. Eine Unterscheidung, die in der neueren Zeit namentlich bei KulturPhilosophen beliebt gewesen ist (Spengler stand ihr nahe) ist dievon Höhlenvölkern und Weiten Völkern, womit imwesentlichen die Orientalen und die Okzidentalen bezeichnet werdeni sollen. Der Unterschied wird gebildet durch den verschiedenen
„Lebensraum“ der beiden Gruppen. Die Morgenländer leben imFreien und haben als Dach das Himmelsgewölbe über sich, sie habeninfolgedessen ein Gefühl der Enge (Welthöhle!), die Abendländerdagegen leben im Hause; dem entspricht ein Innengefühl und erst- von hier aus konnte sich ein Außengefühl entwickeln: Das Außen ist
ein Unendlichkeitsraum (Weltweite!). Die einen, die im Freien leben.