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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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sind unabhängig voneinander entstanden, und dann können sie nur aufübernatürlichem Wege, durch ein Wunder erschaffen sein. Natürliche Ent-wicklung oder übernatürliche Schöpfung der Arten zwischen diesenbeiden Möglichkeiten ist zu wählen, ein Drittes gibt es nicht. Der Inhaltdes letzten Satzes ist schon richtig, aber er hat mit dem Problem der Arten-konstanz nichts zu tun. Es ist doch denkbar, daß die verschiedenen, selb-ständigen Arten sich unabhängig voneinanderentwickeln, das heißt indiesem Sinne aus je einer besonderen Urform hervorgegangen sind und kon-stant fortgepflanzt haben, andererseits kann auch diegemeinsame Stamm-formauf übernatürlichem Wege erschaffen sein.

Sinnlos ist nur einenatürliche Schöpfungsgeschichte, denn in dieserZusammenstellung werden zwei unvereinbare Gegensätze miteinander ver-bunden.

Ganz kurz aufzählen will ich nur noch

3. die Modalitäten bei der Menschwerdung, die in Erwä-gung zu ziehen sind. Es sind vornehmlich folgende:

1. Welches war seine Vor-Form? Das Nichts die anorganischeMaterie (der Erdenkloß) das Tier?

2. Müssen wir ursprüngliche Wildheit oder Depravation annehmen?

3. Hat es im Anfang ein Paar oder mehrere Menschenpaare gegeben:monophyletischer oder polyphyletischer Ursprung?

4. Wie alt ist das Menschengeschlecht?

5. An welcher Stelle der Erde ist sein Ursitz?

* * *

Haben wir im vorstehenden die verschiedenen Möglichkeiten überblickt,die für die Bildung grundsätzlicher Ansichten über die Entstehung der Weltund des Menschen obwalten, so will ich nun im folgenden in großen Zügenaufzeigen, welche wirkliche Gestaltung diese Ansichten im Laufe der Zeiterfahren haben.

II

Wenn wir von einer Handvoll griechischer Aufklärer absehen, so ist dieSchöpfung der Welt und mit ihr die Menschwerdung in allen Anfängen desmenschlichen Daseins bis in eine gar nicht so ferne Zeit hinein Gegen-stand des mythologischen Denkens gewesen.

Aus einem riesigen Ei, wie in Polynesien, Phönizien , Indien oder aus demUr-Wasser, dem Chaos wie in Ägypten, Indien, Babylonien, Griechenland ,Palästina ist die Welt erschaffen: hier durch Kräfte, die nicht von den gött-lichen Wesen unterschieden waren, sondern in der Natur selbst schlum-merten, wie in Ägypten, Indien, Griechenland, Germanien , dort wohl in