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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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Form all der vielenEntwicklungstheorien zu erblicken, die eines Tagesso sehr in die Mode kommen sollten.

Mit dem Gedanken einer lückenlosen Entwicklung aller organischenFormen wurde auch die Neigung rege gemacht, dem Menschen seineSonderstellung zu nehmen und ihn in die Reihe der Lebendigen als ein Gliedeinzufügen. Gedankengänge wie diese werden häufiger 125 ):

Si la Nature ne fait pas de sauts, si eile ne coupe point brusquement latrame de ses ouvrages, si eile lie ötroitement les productions de tous lesregnes par une sörie et un enchainement sensibles: pourquoi nauroit-ellepas garde cette marche en allant du genre des singes au genreh u m a i n ?

Est-il donc si döraisonnable de supposer que pour remplir ce vuide, eiley a confind lOrang-Outang k une distance egale, de sorte quen lui 1hommecommence et le singe finit? II fait la nuance entre deux grandes familles,comme le Zoo-phyte entre deux regnes.

Das ganze 18. Jahrhundert hindurch suchte man nach dem Zwischenglied,demMissing link, das den Menschen mit den Tieren verbinden soll. Manglaubte es teils in den Menschenaffen, namentlich dem Orang-Utan ent-deckt zu haben, die man fürMenschen ohne Sprache hielt, teils in ge-schwänzten Menschen, die aber Handel und Schiffahrt trieben oder in andernFabelwesen, wie dem homo nocturnus troglodytes, silvestris Linnes,teils sogar in den Negern, womit man den Sklavenhaltern einen großenGefallen tat 126 ).

In der allmählichen Verwissenschaftlichung des Mythos können wir abereine Übergangsstufe unterscheiden, auf der nur gleichsam die Zu-gänge zu dem Schöpfungsgeheimnis dem wissenschaftlichen Denken preis-gegeben werden, dieses selbst aber unangetastetes Mysterium bleibt, vondem man in mythologischer Sprache weiter spricht. Hierher rechne ich dieLehren von Kant 127 ), von Lorenz Oken 128 ) aber auch von Goethe.

Was alle diese Männer eint und in einen schroffen Gegensatz zu Dar-winismus und Häckelismus stellt, ist ihre entschiedene Ablehnung einer rest-losen Verwissenschaftlichung des Schöpfungsaktes sowie auch aller mecha-nistischen Deutungsversuche der natürlichen Umwandlungsvorgänge. Wasinsbesondere Goethe anbetrifft, über dessen naturphilosophischen Stand-punkt eine ganze polemische Literatur zusammengeschrieben ist 129 ), sodürfen wir ihn bei einiger klarer Einsicht geradezu als einen klassischenGegner des mechanistischen Transformismus der Spätzeit betrachten, dader Grundgedanke seiner Naturansicht der Formtrieb (nisus formativusBlumenbachs) war und er bei seiner Metamorphosenlehre niemals an