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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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wurde dann das Wort geprägt, mit dem man die Zeitspanne, in der die Lehrendes Malthus geherrscht haben, wohl als abgeschlossen betrachten kann:Malthus behält in allem Wesentlichen Recht.

III

Die übliche Einteilung der Bevölkerungstheoretiker des 19. Jahrhundertsin Anhänger und Gegner der Malthus sehen Lehren ist ungenügend. Siebringt nicht zum Ausdruck, in welchen Punkten sich die verschiedenenTheorien zustimmend oder ablehnend zu Malthus verhalten, und das istdoch das Entscheidende.

Bei näherem Zusehen ergibt sich, daß grundsätzliche Gegner des Mal-thus das heißt solche, die dessen verfehlten Standpunkt nicht teiltennur ganz wenige waren, deren Namen ich im nächsten Unterabschnitt nennenwerde. Die überwiegende Mehrzahl auch der sogenannten Gegner wandeltendieselben naturwissenschaftlichen Gedankengänge wie Malthus selbst,gingen also in die Irre. Ihre Gegnerschaft bezog sich auf Einzellehren imSystem. Von diesen erklärtenGegnern lassen sich dann noch unterscheidenMänner, die die Malthussche Lehre für unvollkommen halten und sie imnaturwissenschaftlichen Sinne weiter entwickeln wollen, und schließlichsolche, die ohne sich auf Malthus zu beziehen auf eigenen, ein-samen Pfaden zu den gesuchten Bevölkerungsgesetzen gelangen. Von allendiesen Verirrten soll im folgenden, unter Hervorhebung einiger besonderslehrreicher Beispiele, kurz berichtet werden. Ich beginne meine Übersichtmit der zuletzt genannten Spielart.

Um die Naturgesetzlichkeit des Zeugungsaktes in seiner Reinheit zu er-weisen, haben manche Theoretiker das menschliche Individuum und seineWillensfreiheit als Glied in der Kausalkette überhaupt ausschalten wollen,indem sie die Zeugung als unmittelbare Wirkung bestimmter allgemeinerNaturkräfte ansahen. So ließ man die Zeugungskraft bestimmt sein durchdas in der Atmosphäre befindliche Wasser oder man nahm den Einfluß derplanetaren Umläufe auf die Lebensdauer an u. a. m.

Bezeichnend für diese Richtung der Bevölkerungstheorien ist z. B. F. G o b b i,Über die Abhängigkeit der physischen Populationskräfte von den einfachstenGrundstoffen der Natur mit spezieller Anwendung auf die Bevölkerungsstatistikvon Belgien . 1842. Die Arbeit (300 Seiten in Folio) zerfällt in drei Teile:wovonder erste von der Wirkung des atmosphärischen Wassers auf den gesamten orga-nischen Prozeß handelt, ... der zweite die Berechnungen des hydrographischenVerhältnisses und der physischen Populationskräfte enthält und der dritte denZusammenhang entwickelt, der zwischen diesen beiden Elementen besteht.(S. XV.)