Druckschrift 
Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
Seite
303
Einzelbild herunterladen
 

Es folgt in gleicher Richtung die bedeutende Schrift von Th. Double-d a y, The true law of population, shewn to be connected with the food ofthe people. London 1840.

Und dann übernimmt dieses Gedankengut HerbertSpencer und bautes aus. An seinen Namen knüpft die Wohlhabenheitstheorie vor allem an,so daß es sich lohnt, uns etwas vertrauter mit den Spencerschen Ge-danken zu machen.

Spencer entwickelt seine Theorie zuerst anonym in The WestminsterReview. New Series. Vol. I. London 1852; pag. 468 fl. in der Form einer Be-sprechung anderer populationistischer und naturwissenschaftlicher Schriften. AlsGrundlage seines eigenen Gedankengebäudes dient ihm seineTheorie desLebens. Leben ist Differenzierung, das höchstentwickelte Lebewesen ist derMensch; seine ihm eigene Funktion ist die Ausbildung des Nervensystems undder Gehirntätigkeit. Deren fortschreitende Verfeinerung führt schließlich zu einerAbnahme der Fruchtbarkeit. Das allgemeine Gesetz lautet:the ability to main-tain individual life and the ability to multiply vary inversely (p. 495).But theability to maintain individual life is in all cases measured by the development ofthe nervous System. (ib.)So long as the fertility of the race is more than suffi-cient to balance the diminution by deaths, population must continue to increase;so long as population continues to increase, there must be pressure on the meansof subsistance; and so long as there is pressure on the means of subsistance,further mental development must go on and further diminution of fertility mustresult. Hence the change can never cease, until the rate of multiplication is justequal to the rate of mortality; this is can never cease until on the average eachpair brings to maturity but two children. (p. 500.)

Man sieht: die Theorie Spencers ist sicher auch falsch, falscher viel-leicht als die M a 11 h u s sehe; aber sie hat Hand und Fuß. Und ist vor allemelegant und schmissig: das Erzeugnis eines geübten Denkers. Die Theoriehat auf die nächsten Generationen, soweit sie manchesterlich gesinnt undnicht dem Malthusianismus verfallen waren, eine starke Wirkung aus-geübt, eine Wirkung, die durch die Tatsache wesentlich verstärkt wurde,daß seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in allen westeuropäischen Länderndie Geburtenziffer sank. Fünfzig Jahre nach ihrer Begründung entdeckte sieLujo Brentano 139 ) und verschaffte ihr in Deutschland ein gewisses An-sehen. In England baute Alfred Rüssel Wallace sein humanitäres-Reformprogramm auf ihr auf.

Mittlerweile, ja schon vor dem Aufkommen der Wohlhabenheitstheoriehatte eine andere Reihe von Bevölkerungstheorien sich aus dem M a 11 h u s -sehen Chaos herausentwickelt, die die Kehrseite der neuen Lehre: die Ge-setze der Unterhaltsmittelzunahme der Kritik unterzogen und für falsch er-klärten.

Manchesterleute wie S e n i o r 140 ), mit Vorliebe Amerikaner, als die Be-wohner eines jungfräulichen Landes, wie Care y 141 ), die meisten Sozia-