listen 142 ) lehnten deshalb M a 11 h u s ab, weil sie die Meinung vertraten, daßdie Lebensmittel stets ebenso rasch, ja sogar rascher wachsen als dieBevölkerung.
Da dieses Problem sich engstens berührt mit dem Problem des Nahrungs-spielraums und der Übervölkerung bzw. des Optimums der Bevölkerung, andas genau genommen kein Malthusianer und überhaupt kein naturwissen-schaftlicher Bevölkerungstheoretiker gerührt hat, so will ich es später er-örtern, nachdem wir die richtige Einstellung zum Bevölkerungsproblemüberhaupt gewonnen haben. Siehe den Schlußabschnitt dieses Kapitels!
Dagegen will ich noch einer Auffassung Erwähnung tun, aus der sichnicht eigene Bevölkerungsgesetze ergeben, der gemäß vielmehr sich alles inder menschlichen Gesellschaft zu vollkommener Zufriedenheit gestaltet,also auch das Bevölkerungsproblem sich löst, das heißt Bevölkerungsmengeund Nahrungsmittelmenge sich ins Gleichgewicht setzen, wenn die Menschensich möglichst wenig um Politik kümmern, so daß die „natürliche Ordnung“,der ordre naturel, sich herstellen kann, bei deren Herrschaft völlige „Har-monie“ waltet. Auf diesem, wie man sieht physiokratisch-manchesterlichenStandpunkt, der einer aus einer naturalistischen Grundauffassung geflossenenoptimistischen Metaphysik sein Dasein verdankte, stehen Schriften wie:John Weyland , The Principles of Population and Production as theyare affected by the progress of society with a view to moral and politicalconsequences. 1816 und G. E n s o r, An inquiry concerning the populationof nations etc. 1818.
Es ist ein Standpunkt, den wir auch später gelegentlich in radikal-manchesterlichen und in radikal-sozialistischen Kreisen — die Gegensätzeberühren sich hier — vertreten finden. Es ist das letzte Wort eines extremenNaturalismus, den wir als den Grundzug aller Bevölkerungstheorien des19. Jahrhunderts kennengelernt haben, den wir mit Entschiedenheit ab-lehnen, und dem wir nun in den folgenden Unterabschnitten den richtigenStandpunkt einer geistwissenschaftlichen Betrachtungsweise entgegen-setzen wollen.
IV
Um den richtigen Standpunkt gegenüber dem Bevölkerungsproblem zu ge-winnen, müssen wir uns noch einmal die fehlerhafte Denkweise der natur-wissenschaftlichen Theoretiker zum Bewußtsein bringen.
Danach gibt es eine über den Willen des Menschen hinaus wirkende Natur-kraft: einen Zeugungs- oder Begattungstrieb, von dessen Betätigung dieBevölkerungsvermehrung bestimmt wird. Die M a 11 h u s anhänger lehrten:diese Kraft — die natural tendency to increase — wirkt zu allen Zeiten