5. die Weite des Unterhaltsgebiets ist bedingt durch die Größe der poli-tischen Einheit (des Staatsgebiets) und den Entwicklungsgrad derVerkehrstechnik.
Unsere besondere Aufmerksamkeit beanspruchen nun die Gesetze, die denNahrungsspielraum beherrschen, wenn die Bevölkerungsmenge wächst.Hier hat eine Theorie, die namentlich bei den Sozialisten und allen Sozial-reformern großen Anklang gefunden hat und die auf Simon G r a y 150 )zurückzugehen scheint, viel Verwirrung angerichtet: die Theorie, der gemäß»die Vermehrung der Bevölkerung zwangsläufig auch eine Steigerung des-Reichtums, also eine Ausdehnung des Nahrungsspielraums, im Gefolge habe,,weil ja der Zuwachs der Geborenen in gleichem Umfange einen Zuwachs-von Arbeitskräften mit sich führe, die — als „Quelle des Reichtums“, —die richtige Organisation der Gesellschaft vorausgesetzt — für die Vermeh-rung des Reichtums Sorge tragen werden. So lesen wir beispielsmäßig bei»Ferdinand Lassalle: „Je mehr Menschen, desto mehr Reichtum.Ist das heute noch nicht der Fall, so ist das eben ein tiefer Widerspruch,der in unserm ganzen Antagonismus seinen Grund hat. An diesem muBalso geändert werden. Dann wird die vermehrte Bevölkerung vermehrtenReichtums Quelle.“ Diese Lehre läßt außer Betracht, daß zur Schaffung des.Reichtums nicht nur Arbeitskraft, sondern auch Sachmittel gehören, wie siedie Natur liefert. Nur wenn diese in gehöriger Menge vorhanden sind,bedeutet Bevölkerungszunahme ohne weiteres Reichtumsvermehrung. Imeinzelnen lassen sich folgende Sätze auf stellen:
Wenn die Vermehrung der Bevölkerung mit Ausweitung der natürlichen.Gegebenheiten: Erschließung neuer Böden, neuer Läger verbunden ist, eben-so wenn Raubbau getrieben, der Abbau gesteigert wird, so kann der Nah-rungsspielraum gleichen Schritts mit der Zunahme der Bevölkerung odersogar rascher wie diese sich ausdehnen.
Wenn die Vermehrung auf dem alten Siedelungslande ohne neue natür-liche Gegebenheiten und Raubbau erfolgt, so gelten folgende Sätze:
1. Eine Vermehrung der Bevölkerung mit gleichbleibendem (oder sogar,vergrößertem) Nahrungsspielraum ist möglich, solange die Gesamt-produktivität gleichbleibt oder sogar steigt, also das Gesetz des ab-nehmenden Ertrages sich im ganzen noch nicht fühlbar macht. DieGesamtproduktivität kann gleichbleiben oder sogar steigen auch beisinkender Produktivität in der Landwirtschaft, wenn eine entspre-chende Kompensation auf anderen Gebieten der Gütererzeugung-eintritt;
2. eine Vermehrung der Bevölkerung ist mit Verengung des Nahrungs-spielraums verknüpft, wenn die Produktivität der zuwachsenden»