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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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une duperie du vieux temps: dejä ces funestes secrets inconnus ä tout animalautre que lhomme, ces secrets ont pdnetrö dans les campagnes; ontrompe la nature jusque dans les villages.

Si ces usages licencieux, si ces goüts homicides se rdpandent davantage, ils neseront pas moins funestes ä lEtat, que les pestes qui le ravagait autrefois: il«st temps darreter cette cause secrete et terrible de ddpo-p u 1 a t i o n qui ruine imperceptiblement la nation, et dont, dans quelques temps,on soccuperait peut-§tre trop tard. Pour prövenir ces malheur, le seul, luniquemoyen est le retablissement des moeurs.

Aus der Literatur zur Geschichte der Abtreibung und ihrer Gesetzgebung sieheOtto Ehinger und Wolfram Kimmig, Ursprung und Entwicklungs-geschichte der Bestrafung der Fruchtabtreibung und deren gegenwärtiger Standin der Gesetzgebung der Völker. Motivenforschung 1910. Mit Literaturangaben.Wesentlich juristisch. Noch mehr juristisch ist Heinrich von Fabrice,Die Lehre von der Kindesabtreibung und vom Kindesmord. 2. neubearbeiteteAuflage von Dr. med. A. Weber (1905). Vgl. auch Felix A. Theilhaber ,Das sterile Berlin (1913).

Es leuchtet ein, daß der Stand des medizinischen und hygienischenWissens von großer Bedeutung ist für die Gestaltung der Sitten undvor allem für die Verwirklichung der ihnen zu Grunde liegenden Absichten. Vonihm hängt im weiten Umfange ab die Möglichkeit, die Empfängnis zu verhindern.Daß nicht erst die neuere Zeit die anti-konzeptionellen Mittel erfunden hat, gehtaus dem, was wir über die Verbreitung der bewußten Empfängnisverhütung ausder Frühzeit der Menschheit wissen, deutlich hervor. In alten Zeiten und nochheute bei den Naturvölkern waren es meistens pflanzliche oder tierische Stoffe,mit denen man die Konzeption verhütete. Dann, in der neueren Zeit, kamen diemechanischen Schutzmittel in Aufnahme. Ich weiß nicht, wann sie im Handelerschienen. Casanova bedient sich ihrer bereits und die SchilderungenMore aus lassen auf ihr Vorhandensein und ihre Verbreitung gegen das Endedes 18. Jahrhunderts ebenfalls schließen.

Daß die Tötung en gros durch die Entwicklung der Giftgase große Fortschrittein unserer Zeit gemacht hat, ist bekannt. In allen diesen Fällen hat die Entwick-lung des medizinischen und technischen Wissens Einfluß auf die Verringerungder Bevölkerungsmenge ausgeübt. Viel größer aber ist ihre Bedeutung durch dieVerringerung der Sterblichkeit, die sie bewirkt hat. Die Fort-schritte, wodurch die Medizin und Hygiene der neueren Zeit Einfluß auf die Sterb-lichkeitsziffer gewonnen haben, sind vornehmlich folgende:

1. die Bekämpfung des Wundfiebers (Infektion) bei allen Entbindungen undallen Operationen: eine Wirkung im wesentlichen der Antisepsis;

2. die Beschränkung der Kindersterblichkeit durch Rationalisierung derKinderpflege;

3. die Bekämpfung und Eindämmung der ansteckenden Krankheiten, vondenen für das 19. Jahrhundert (nachdem die Pest schon seit dem 18. Jahr-hundert von Europa fern geblieben war) namentlich Diphterie, Typhusund Cholera in Frage kommen.

Bei der bisherigen Aufzählung haben wir es als selbstverständlich angenom-men, daß es sich um Beispiele der willensmäßigen Beeinflussung von Geburt und