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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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Leder, Hanf, Horn treten Eisen, Kupfer, Aluminium, Zelluloid; an Stelletierischer oder menschlicher Kräfte die Dampfkraft, die Explosionskraftmineralischer öle oder des Gases, die Kraft des elektrischen Stromes; wirbeleuchten mit Petroleum oder Gas oder Elektrizität, wo wir früher Kien-span, Wachskerzen, Öllampe verwendet haben; wir düngen unsere Äckermit Kali und Phosphorsäure statt wie einst ausschließlich mit Stallmist;wir färben mit Teerfarben statt mit Waid oder Krapp, und so geht es fortauf allen Gebieten der Gütererzeugung und des Verkehrs.

Ich habe diese zuletzt skizzierten Entwicklungsreihen, die ich für diebedeutsamsten unserer Zeit halte, mit denen verglichen, alles andere, wassich in dieser Zeit abspielt, ohne allen Belang ist, an anderen Orten so oftund so ausführlich beschrieben, ohne Verständnis zu finden, daß ich hierdas vielmals Gesagte nicht wiederholen mag.

Dieser oder jener gewissenhafte Leser mag meine Darlegungen, zuletzt imDeutschen Sozialismus, selber nachlesen. Es genügt mir hier, diese Ten-denz zur Ersetzung des Lebens als ein allerwichtigstes Glied in den Werde-gang der Menschheit eingefügt zu sehen.

Und was ist so fragen wir am Schlüsse der Ausführungen in diesemKapitel bangen Herzens was ist während des Triumphzuges der Mensch-heit über die Erde und über die Meere und nun durch die Luft aus denMenschen selbst geworden?

Die Antwort auf diese Frage ist gewiß nicht einfach: dictu difficile est,würde der vorsichtige B o d i n u s sprechen. Ich denke, man macht sichdie Sachlage am besten auf folgende Weise klar: in all den einzelnen Vor-gängen, aus denen der in diesem Kapitel geschilderte Triumphzug derMenschheit besteht, läßt sich ein Optimum feststellen, in dem die geistigeund die natürliche Seite des Menschen in Harmonie zueinander stehen. Zuallen Zeiten, seitdem der Zustand der Naturvölker überwunden ist, habendie Menschen die Erde zu erkunden getrachtet, haben sie nach Wissengestrebt, haben sie die Erde bevölkert, haben sie sie verändert und ihrenZwecken dienstbar gemacht. In allen diesen Zeiten haben die Menschenüber das Leben zu siegen sich unterfangen in allen drei Formen, die wir-kennengelernt haben; in allen diesen Zeiten haben sie ihr Leben in Geist-gebilde eingeordnet und es durch Geistgebilde ergänzt und ersetzt.

Aber auf das Maß in allen diesen Dingen kommt es an: für dieses bestehtoffenbar ein Optimum, bei dessen Erreichung jener Zustand der Harmoniezwischen Geist und Natur eintritt, von dem ich sprach.

Dieses Optimum wird von begnadeten Völkern in bestimmten Zeiten er-reicht: wir pflegen dann von Höhepunkten der Kultur oder Blütezeiten derVölker zu sprechen. Solche Höhepunkte hat vielleicht das chinesische in