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duen charakterisieren kann. Immerhin läßt sich als wahrscheinlich an-nehmen, daß für die Proto-negriden, für die Proto-europiden und für dieProto-mongoliden bereits eine eiszeitliche Differenzierung besteht 172 ).
Das merkwürdige ist dieses: wir finden frühzeitig Gruppen von Menschen,die unter sich gleiche oder ähnliche Merkmale aufweisen, sich aber vonandern in sich ebenfalls gleichen Gruppen unterscheiden. Es handelt sichalso um Gruppen von Menschen, die aus der bunten Mannigfaltigkeit einesindividuell variabeln Erbgefüges heraus Träger einer einheitlichen Biody-namik geworden sind 173 ).
Das Problem bei der Rassenentstehung ist somit immer ein doppeltes: zuerklären, einerseits: woher die Verschiedenheit des Körperbaus,andererseits: woher die Gleichförmigkeit der Erbmasse bei einergrößeren Anzahl von Individuen stammt. Nach der heute wohl von denmeisten Forschern geteilten Überzeugung kann diese Angleichung imwesentlichen nur yon der Umwelt aus herbeigeführt sein, sei es imLamarcksehen Sinne durch Organbildung infolge der Plastizität desMenschen, sei es infolge der Selektion, die durch die geographische Umweltin einer bestimmten Richtung beeinflußt wurde. Auf die Alternative derpolygenetischen und monogenetischen Entstehung des Menschen bezogen,würden wir also die Gleichheit der Rasseneigenschaften bestimmterMenschengruppen im einen wie im andern Falle auf Umwelteinflüsse zurück-xuführen haben, während die Verschiedenheit der Rassenmerkmaleim Falle polygenetischer Abstammung aus der ursprünglichen Verschieden-heit des ersten Elternpaares, im Falle der monogenetischen Annahme aberdurch Differenzierung des ursprünglich einheitlichen Typus ebenfalls durchEinwirkung der Umwelt zu erklären wäre. Vgl. auch Kapitel 26.
Was nun uns angeht, die wir gerne der Entstehung der Völker auf dieSpur kommen möchten, so können wir wohl mit einiger Sicherheit unsernAusgangspunkt nehmen von solchen Menschengruppen annähernd gleicherrassischer Prägung, von denen scheinbar eine größere Anzahl auf der Erdenebeneinander und unabhängig voneinander gelebt hat.
Ob diese Verbände jemals wirklich „rein rassig“ gewesen sind, wird sichschwer erweisen lassen: jedenfalls liegt die Zeit der Reinrassigkeit sehr,sehr weit zurück. So ist es z. B. schon fraglich, ob es ein rassisch einheitlichesindogermanisches Urvolk gegeben habe oder ob hier mindestens schonzwei blutmäßig verschiedene Bestandteile anzunehmen sind, die sich dannsprachlich als die Gruppe der Kentum- und der Satem-Völker unterscheidenlassen. Manche Rassenforscher wollen überhaupt von irgend welcherRassenreinheit oder Rasseneinheit — man mag sie zeitlich noch so weitzurücklegen — nichts wissen. So schreibt z. B. FritzLenz: „Man darf...
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