geographische Lage erklärt, daß seine Einwohner bis 1904 sicli von jederBerührung mit den Europäern entfernt halten konnten... Die Tibetanerhaben die Augen offen gehalten und gemerkt, daß sie fast auf allen Seitenvon eroberten Ländern umgeben sind“ (Sven H e d d i n).
Es mag noch
10. der zeitliche Wandel der geographischen Umwelt infolgevon Naturvorgängen in seiner Bedeutung für das Entstehen und Vergehenvon Völkern, sowie für die Herausbildung völkischer Eigenart gewürdigtwerden.
Daß die nachprüfbaren Vorgänge auf der Erdoberfläche während derverschiedenen Eiszeiten, namentlich in der letzten Zwischeneiszeit, auf dieHerausbildung neuer Völker und Rassen einen entscheidenden Einfluß aus-geübt haben, dürfen wir mit gutem Grunde vermuten. Wenn wir gar denmeist phantastischen Schilderungen versunkener und neu emporgetauchterErdteile Glauben schenken wollen, so hat sich die Erdoberfläche noch inder Menschenzeit so sehr von Grund auf verändert, daß ganze Reihen vonVölkern verschwunden und neue entstanden sein müßten.
Aber auch in der geschichtlichen und jüngeren vorgeschichtlichen Zeit,für die wir verbuchte Nachrichten oder einwandfreie, sachliche Zeugnissebesitzen, fehlt es nicht an Beispielen dafür, daß die Lebensbedingungenmancher Völker sich von Grund auf gewandelt haben, daß vor allem in-folge einer Verschlechterung dieser Bedingungen: weil das Wasser knapperwurde oder das Meer vorschritt oder das Klima sich verschlechterte, mancheVölker genötigt wurden, ihre alten Wohnsitze zu verlassen, wenn sie nichtgar vom Erdboden verschwanden.
So war das Wüstengebiet Afrikas, die Sahara, zur Zeit des Neolithikumsnoch großenteils bewohnt. Seitdem hat die Wüste immer weiter um sichgegriffen. Aber noch in der Römerzeit hat sie nicht so weit wie heute ge-reicht: wir stoßen im algerischen Norden auf Ruinen blühender römischerLandgüter bereits innerhalb des subdesertischen Gebiets. Im Paläolithikumwar überhaupt noch keine Wüstenzone vorhanden: es tritt reichlich in den„Süd-Territorien“ der Sahara bis hinab nach dem französischen Süden auf:ein Beweis, daß die Sahara des jüngeren Eiszeitalters noch keine trennendeSperre, sondern eine regelrechte Verbindungszone zwischen dem Nordenund dem Süden bildete 192 ).
III
Kürzer kann ich mich fassen bei der Erledigung des zweiten Teils der unsIn diesem Kapitel gestellten Aufgabe, in dem ich diejenigen Faktoren auf-weisen wollte, die zur Gestaltung des Volkes beitragen. Kürzer