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es zum Frieden bringen, wenn sie einen freien Stamm unterwarfen- Indi-vidualität ist immer dem allmächtigen Staate zuwider- Die Häuser und
die Zimmer, die Menschen und die Bücher, die Götterbilder und die Töpfe,alles sieht ziemlich gleich aus an der schottischen und an der maurischenGrenze, an der Theiß und am Tajo ; modern und veraltet zugleich, konven-tionell, großtuerisch und langweilig 193 ).“
Aber auch für die Gestaltung des Sprachvolks, das außerhalb des Heimat-landes lebt, ist der Staat nicht ohne Bedeutung, sofern er in seiner fremdenForm bestimmte Eigenarten der versprengten Volksteile zu besonderer Ent-faltung bringt (hier also differenzierend wirkt): sicher sind unter dem Ein-fluß der verschiedenen Staatsverbände, in denen sie leben, die Siebenbürger Deutschen, die brasilianischen Deutschen und die Schweizer Deutschen etwassehr Verschiedenes geworden.
Ähnlich wie der Staat wirkt
3. die T e c h n i k in erster Linie nivellierend aus- und angleichend, vorallem in ihrer modernen Form, sei es als Serienproduktion, sei es als Ver-kehrstechnik, sei es als Radio- oder Kinotechnik. Dank ihrer Fortschritteauf allen Gebieten werden mit der Zeit nicht nur alle örtlichen und stamm;liehen Eigenarten innerhalb der einzelnen Völker, sondern schließlichauch die Eigenarten der verschiedenen Völker selbst ausgeglichen werden.Wenn die Uniformierung und „Gleichschaltung“ schon in dem alten römi-schen Reiche mit seiner unbeholfenen Technik gelang: wieviel mehr erst in
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den modernen Ländern mit ihrer hochentwickelten Technik! Ein Stuhl, einHaus, ein Schuh, ein Tanz, ein Sang, ein Essen auf der ganzen zivilisiertenErde und eine dieser Gleichförmigkeit der Kulturgüter angepaßte Mensch-heit, in der alle stammliche und alle völkische Eigenart ausgelöscht ist, istdoch wohl das Ziel, dem wir zustreben: dank der modernen Technik.
Im engen Anschluß an die Technik, obwohl selbständig, wirkt gestaltend:
4. die W i r t s c h a f t auf das Volk ein.
Wenn ein Volk seßhaft wurde, wenn sich Viehzucht und Hackbau einten,wenn Völker sich ausschließlich oder vorwiegend dem Handel widmeten,wenn in dem einen Lande alle wirtschaftliche Initiative sich an den Königs-höfen konzentrierte, wenn ein anderes Land mit Burgen und Fronhöfenbedeckt wurde, wenn sich die Wirtschaft um kleine Städte zu gruppierenanfing, wenn das Land „industrialisiert“ wurde und die Menschen genötigtwurden, ihr Dasein in den Höllen der Berg- und Hüttenwerke, der Groß-betriebe aller Art, den Groß- und Industriestädten zu fristen: welche Wand-lungen grundstürzender Art waren es jedesmal, denen dadurch das Volkunterworfen wurde! Aber noch gewaltiger vielleicht ist die Wirkung, diedie Wirtschaft auf die Gestaltung der Völker ausgeübt hat dadurch, daß sie