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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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Wissenschaft der Geschichte der Menschheit gelangen, so müssen wir diesozialen Gruppen ins Auge fassen, ihr Entstehen und ihre Entwicklung, ihreverschiedenen Arten und Gestalten, ihre Bewegungen und Evolutionen beob-achten und untersuchen. Das sind die in sich festen Elemente, auf die man

rechnet, auf die man wissenschaftliche Kalküle basieren kann- Auch wir

werden unsern Blick auf die einzelnen realen Elemente richten, doch sehenwir im sozialen Naturprozeß nicht die einzelnen Menschen, sondern die sozi-alen Gruppen als solche Elemente an. Wir werden also in der Geschichtenicht nach gesetzmäßigen Handlungen der einzelnen, sondern vielmehr nachgesetzmäßigen Gruppenbewegungen forschen 194 ).

Er schildert die Vorgänge der Völkerbildungwie sie sich im Laufe derWeltgeschichte jedesmal mit der Notwendigkeit eines Naturgesetzes wieder-holen ..Wenn wir diese ... charakteristischen Züge, die der Stand desAdels immer und überall an sich zeigt, beobachten... so werden wir unsder Überzeugung nicht verschließen können, daß wir es hier mit einemNaturgesetz zu tun haben, welches immer und überall im sozialen und poli-tischen Leben der Menschheit mit denselben Erscheinungen zutage tritt...Es ist klar; daß hier ein Naturgesetz walte, das hoch über der Willkür dereinzelnen, unabhängig von menschlichen Gesetzen in der Geschichte seineEndziele (?!) verfolgt; die Völkerbildung erfolgt vermöge eines ewigen inder Geschichte waltenden Gesetzes 195 ).

Der Vorgang der Häufung, wie ich ihn genannt habe, ist nun noch aufeinem andern Wege zur Aufstellung einerTheorie benutzt worden, indemman diejenigen beiden Völker, die sich zuerst meist auf dem Wege derEroberung des einen durch das andere vereinigt haben, mit ganz beson-deren, immer wiederkehrenden, gleichen Eigenschaften ausgestattet hat:Eigenschaften, die die Vereinigung alsnaturgemäß erscheinen lassen, wiees die Vereinigung von Mann und Frau ist. Deshalb bezeichnet man auchdiese beiden Urvölker als Völker oderRassen männlicher und weiblicherArt, daneben als solche aktiven und passiven Wesens.

Diese Zwei-Völker-Theorie, wie wir sie nennen wollen, ist seitlangem von einer großen Anzahl bedeutender Männer vertreten worden.Meist wird sie auf Klemm als ihren Erfinder zurückgeführt, doch kann ichihren Ursprung viel weiter zurückverfolgen: der erste, bei dem ich ihr be-gegnet bin, ist Peyroux de la Coudreniöre, der sie in seinenMemoires sur les 7 especes dhommes (1814) entwickelt.

Die beiden Völker bekommen dann bald eine wirtschaftliche Note, indemdas eine aus erobernden Reiternomaden, das andere aus eroberten Hack-bauern bestehend vorgestellt wird.

In dieser Gestalt finden wir die Theorie voll entwickelt bei den rühmlich