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bekannten französischen Staatsrechtlern und Historikern der 1820er und1830er Jahre.
Charles Comte belehrt uns, daß der Entwicklungsgang der Kulturbestehe in den „nombreuses irruptions que les peuples des climats froids ontfaites sur les peuples des climats chauds ou temperös et l’impossibilite, danslaquelle ceux-ci se sont trouvös de se dddendre; on concevra comment lespeuples de la Chine, de la Perse, de l’Indostan, adonnös ä l’agriculture ontdu subir, quoique superieurs en nombre, le joug des barbares descendus desmontagnes centrales de l’Asie et comment nous trouvons des phönomenessemblables presque sur toutes les parties du globe;“ „nous voyons les peuplesencore ä demi barbares, chasseurs ou pasteurs, se precipiter sur ceux qui,les premiers ont cultive la terre 196 ).“
Denselben Gedanken begegnen wir bei A u g. T h i e r r y 197 ), denselben beiCourtet de l’Isle 198 ).
In Deutschland scheint die Theorie dann von Klemm aufgenommen undzur Grundlage seiner 1843 begonnenen Kulturgeschichte gemacht worden zusein. Von Klemm haben sie dann zahlreiche deutsche Schriftsteller „ent-lehnt“, meist ohne die Quelle zu nennen. So C. G. Carus in seiner Denk-schritt zur hundertjährigen Geburtstagsfeier Goethes, so W. Wachsmuth ,Allgemeine Kulturgeschichte, 1850 ff.; so Wuttke, Geschichte des Heiden-tums, 1852ff. u. a. (Während Th. Wai t z, Anthropologie der Naturvölker,1850 ff., sie ablehnte.)
Dann ist es wieder ein Franzose, und zwar ein sehr berühmter, nämlichGraf Gobineau , der — scheinbar selbständig — auf die Theorie verfällt.Er macht bei ihrer Darlegung 199 ) die Anmerkung: „K1 e m m (AllgemeineKultur-Geschichte, 10 Bd., Leipzig 1843—52) denkt sich eine Unterscheidungder Menschheit nach aktiven und passiven Rassen. Ich habe dieses Buchnicht in der Hand gehabt und kann nicht wissen, ob der Gedanke seines Ver-fassers mit dem meinigen sich in Übereinstimmung befindet. Es wäre natür-lich, daß wir beim Durchstreifen der gleichen Pfade auf die gleichen Wahr-heiten verfallen wären.“ Gobineau betont mit besonderem Nachdruckdie Polarität der beiden Völker, die nach ihm die geistige und die materielleStrömung im Dasein der Menschheit vertreten und wendet auf sie die sinn-bildlichen Bezeichnungen der Hindu an: Pankriti und Puruscha, die soviel wiedas weibliche und das männliche Prinzip bezeichnen. Als die Vertreterdieser beiden Prinzipien wählt Gobineau die Hindu und die Chinesen.
Die Theorie wird bis heute von kundigen Männern vertreten. So findenwir unter ihren Anhängern den kenntnisreichen R. Thurnwald , der inseiner „Menschlichen Gesellschaft“ (Band IV) auf Grund eines reichen Mate-rials aus dem Bereiche verschiedener afrikanischer Staatengebilde, der alt-
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