Pflanzermenschen sind seßhaft, genügsam, ausdauernd, arbeitsam, friedlich,gesellig. (Man sieht: wir kommen beim Unterschiede von sentimentaler undnaiver Dichtung an: siehe oben Seite 141 W. S.)
Nun sind aber, meint Lenz weiter, nicht alle Bewegungsrassen und allePflanzerrassen „stammesgeschichtlich direkt verwandt“. „Offenbar sindbeide Typen in verschiedenen Ländern auf verschiedener sonstiger rassischerGrundlage entstanden“: unter Negriden, Mongoliden, Europiden kommenbeide Typen vor. In Kulturvölkern finden wir häufig eine Kombinationbeider Typen. So entstand der europäische Bauer, so entstand der Händler,der in sich die Beweglichkeit des Reiternomaden (s o: nicht Hirtennomaden!der Kleinviehzüchter ist ein ganz anderer Typ: Laband!) mit dem Einfüh-lungsvermögen des Pflanzers vereinigt. Soweit Fritz Lenz!
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt der Rassenforscher K. F. W o 1 f f 203 ), der•— was wohl auch Lenz annimmt — die beiden Typen heute in denmodernen Mischvölkern nebeneinander leben läßt und in ihnen die Unter-nehmungslustigen und die Seßhaften erblickt, die Unternehmer und dieBürger, aus deren Zusammenwirken ich die Entstehung des „ModernenKapitalismus“ zu erklären versucht habe 204 ).
Man hat dann in der Rassendeutung noch einen Schritt weiter zu tunversucht, indem man die passiven Völker der Neanderthalrasse, die aktivender Aurignac-Cromagnonrasse zuordnete und also die gesamte frühe Völker-geschichte auf ein Mit- und Gegeneinander dieser beiden Rassen, die natür-lich zugleich den Gegensatz von Hackbauern und Reiternomaden in sich auf-nahmen, zurückführte 205 ).
Es bleibt jedermann überlassen, nun auch noch andere polare Gegensätzevon Menschengruppen, von denen wir bereits Kenntnis erhalten haben, in dasSchema der Zwei-Volker-Theorie einzuordnen: also die Höhlen- und Weiten-,die Dreier- und Vierer-, die Mond- und Sonnenmenschen u. a.
Anhänger der Zwei-Völker-Theorie war auch Friedrich Nietz-sche 208 ). Er bekundet es in seiner drastischen Weise wie folgt:
„Ich gebrauche das Wort ,Staat 1 : es versteht sich von selbst, was damitgemeint ist — irgendein Rudel blonder Raubtiere, eine Eroberer- und Herren-rasse, welche kriegerisch organisiert und mit der Kraft zu organisieren, un-bedenklich ihre furchtbaren Tatzen auf eine der Zahl nach vielleichtungeheuer überlegene, aber noch gestaltlose, noch schweifende Bevölkerunglegte“ („schweifend“ waren eigentlich die Raubtiere, „seßhaft“ die Unter-worfenen! W. S.). „Dergestalt beginnt ja der ,Staat* auf Erden: ich denke,jene Schwärmerei ist abgetan, welche ihn mit einem ,Vertrage“ beginnenließ.“