rückgeht, soweit diese jedem einzelnen selbst ihr Sosein verdankt? Ist esdas naturhafte Individuum oder der geistige Kern? Setzt der Einzelne seineEigenart der Umwelt gegenüber durch Kraft seines Blutes oder Kraft seinesGeistes? Das ist dann die Frage: wie macht’s der Mensch: durchBlut oder Geist?
Das Verwickelte der Problematik liegt darin, daß in den beiden Gegensatz-paaren: Umwelt und Ich einerseits — Blut und Geist andererseits — dreioder vier wirkende Kräfte neben- und gegen- und durcheinander sich geltendmachen wollen: die geographische Umwelt — das Erbgut des Einzelnen —die soziale Umwelt (der objektive Geist) — die geistige Person (der sub-jektive Geist); kurz: Erde — Blut — Geist (da wir die beiden letzten Fak-toren zusammenfassen müssen).
Es ergeben sich also, genau genommen, viel mehr Antithesen —• Gegen-übersetzungen — als zwei, nämlich:
Erde
| Geist) Blut
Geist <
Erde
Blut
Blut
Erde
Geist
{physischegeistige Umwelt
I Erbgut
Einzelner j g 6 j gt ;g e p er son
und andere mehr.
Neben und über all diesen Problemstellungen erhebt sich nun aber inmajestätischer Größe die metaphysische, die wir wenigstens uns klar machenmüssen und sei es auch nur, um sie vermeiden zu können.
Es handelt sich nämlich darum, ob wir das Werden der Einzelperson alsein Werk der Freiheit oder der Notwendigkeit behandeln wollen. Der geist-wissenschaftlichen Einstellung entspricht allein die erste der beiden Auf-fassungen, mit der sich, wie wir wissen, sehr wohl verträgt die Anerkennungnaturgesetzlicher Zusammenhänge, an denen unser freier Wille seine Schran-ken findet. Denn dabei handelt es sich immer noch um die erfahrungsmäßigbegründbare Absteckung der Grenzen zwischen freiem Entschluß und natur-gesetzlicher Bindung (wie ich sie beispielsmäßig bei der Erörterung desFortpflanzungsproblems vorgenommen habe).
Ganz anders liegen die Dinge, wenn wir die Frage zu entscheiden haben,ob auch unser freies Schalten und Walten einem höheren Willen unter-geordnet und in diesem Sinne unfrei ist; mit anderen Worten: wenn wir vordie Frage gestellt werden: ob denn auch die geistige Person vorgegeben sei,an deren Schicksal alsdann alle geistigen Einflüsse während der Lebens-dauer des Einzelnen nichts mehr zu ändern vermöchten. Wenn wir dieseFrage bejahen, so heißt das, daß wir uns zum Prädestinationsglauben desH. Augustin bekennen und allen Glauben der Pelagianer an die Perfektibi-lität des Einzelnen abschwören. Denn dann müssen wir annehmen, daß das