Urbild jedes Menschen schon vor Raum und Zeit dagewesen sei und als-Entelechie oder Monade durch alle Ewigkeit unveränderlich fortbesteht.
Mit derartigen Betrachtungen würden wir aber, wie ersichtlich, den Be-reich der Erfahrung überschreiten und uns der Metaphysik überantworten.Das heißt aber mit anderen Worten: wir würden der geistwissenschaftlichenDenkweise untreu werden. Deshalb sind sie aus der folgenden Darstellungauszuschalten.
Wem wären bei dieser Auseinandersetzung nicht die Goethe sehen„Urworte“ eingefallen, von denen ich bereits ein Paar Verse angeführt habe?An ihrem Aufbau können wir uns die formale Problematik unseres Themasbesonders klar verdeutlichen, weshalb ich noch etwas genauer auf sie ein-gehen möchte. Die erste Strophe, die die Überschrift (im Deutschen)-„Dämon“ trägt, lautet wie folgt:
„Wie an dem Tag, der Dich der Welt verliehen,
„Die Sonne stand zum Gruße der Planeten,
„Bist allsobald und fort und fort gediehen,
„Nach dem Gesetz, wonach D u angetreten.
„So mußt Du sein, Dir kannst Du nicht entfliehen,
„So sagten schon Sibyllen, so Propheten;
„Und keine Zeit und keine Macht zerstückelt„Geprägte Form, die lebend sich entwickelt.“
Das ist schiere Metaphysik — ist ein Wissen, richtiger: ein Glauben, deralle Erfahrung überschreitet (man wollte denn seinen Sinn in die Vorstellungvon der Konstanz der „Erbmasse“ verflachen). Goethe war ein durch unddurch gläubiger Mensch, ausgesprochen dualistischen Gepräges. Der„Dämon“ des Menschen ist für ihn deshalb auch ein überzeitlicher Begriff.Er meint das, was Goethe an einer anderen Stelle (zu Eckermann11.3.1828) „Entelechie “ nennt, von der er sagt: „Jede Entelechie (des Men-schen) ist ein Stück Ewdgkeit, und die paar Jahre, die sie mit dem irdischemKörper verbunden ist, machen sie nicht alt.“ Diesen Glauben künden des-halb auch „Sibyllen und Propheten“, nicht gelehrte Männer, aber auch nichterfahrene Praktiker, die vielmehr Bescheid wissen mit dem Geltungsbereichder folgenden drei Strophen, die wir allsobald betrachten werden. Zuvor seinur noch festgestellt, daß eine wundersame Schlußstrophe des unvergleich-lichen Gedichtes uns noch einmal mit einem kühnen Schwünge aus dendrückenden Niederungen des Zwanges und der Erfahrung in die himmlischenHöhen der Freiheit und des Glaubens emporführt. Sie trägt die Überschrift:„Hoffnung“ und lautet: