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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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1. Einfluß der Nord-Süd-Lage;

2. Einfluß der Ost-West-Lage;

3. Einfluß der Gestaltung des Landes: Berg-Tal, feucht-trocken, frucht-bar-unfruchtbar ;

4. Verhältnis zwischen Natur und Geist (disciplina);

5. Einfluß der Gestirne (fällt imStaat fort).

Die ausführlichste Darstellung ist dem Einfluß des Klimas in der Nord-Süd-Lage gewidmet. Doch verzichte ich auf eine ausführliche Wiedergabeseiner Gedanken.

Wenn wir zu Zeiten B o d i n s und nach ihm die von diesem Manne syste-matisch zusammengefaßten Gedanken der antiken Klima-Theorie bei anderenAutoren, die sich mit dem Gegenstände befassen, in gleicher oder ähnlicherForm wiederfinden, so läßt sich nicht immer mit Sicherheit bestimmen, obdie Quelle B o d i n u s oder die Schriftsteller des Altertums gewesen sind.So darf man annehmen, daß Montaigne , der Vielbelesene, der die Milieu-Theorie als etwas selbstverständliches betrachtet, aus den Originalquellenselbst geschöpft habe, wie auch seine Darstellung in den Essais (II. 12) ver-muten läßt, die voller Zitate aus alten Schriftstellern ist.

Ein Gleiches möchte ich von Juan Huarte de San Juan annehmen,der in seinem 1603 zuerst im Druck erschienenen WerkeExamen de Inge-niös an verschiedenen Stellen (siehe z. B. Cap. XV. XVIII) von dem Ein-fluß der Umwelt auf den Menschen spricht, ohne Bodinus zu erwähnen.Er scheint seine Kenntnisse unmittelbar aus Hippokrates, den er oftzitiert, geschöpft zu haben. Berühmt ist die Ableitung der jüdischen Ver-anlagung aus dem Milieu, in dem die Juden in Ägypten und in der Wüstegelebt haben, bei Juan Huarte .

Sicher sind wir aber, seiner ganzen Veranlagung und Bildung nach, beidemjenigen Manne, den die gemeine Meinung für den Begründer der Klima-Theorie hält und der mit Recht als der gleichsam offizielle Vertreter dieserLehre in seinem Jahrhundert gilt: Montesquieu , daß er alle seine Ge-danken aus zweiter Hand empfangen und daß er vor allem B o d i n u s bis inskleinste ausgeschrieben hat, freilich ohne sein Niveau zu erreichen. Mon-tesquieu behandelt die Milieu-Theorie im 14.18. Buche seinesEspritdes Lois, wo er sein Thema wie folgt umschreibt:Sil est vrai que lecaractere de lesprit et les passions du coeur soient extremement diffdrentesdans les divers climats, les lois doivent etre relatives et ä la difference deces passions et ä la difförences de ces caracteres. (Livre XIV. ch. I.)

Die besondere Note Montesquieus , wegen der offenbar auch seineKlima-Theorie so berühmt geworden ist, besteht wohl darin, daß er eben

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