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Mit etwas größerer Sicherheit dürfen wir die nächste Unterfrage zubeantworten wagen:
b) Wie können wir uns die Entstehung einer Rasse, also einermenschlichen Spielart denken unter Einwirkung des Milieus?
Daß einmal bei der Herausbildung der Rassen die natürliche Umwelt einenentscheidenden Einfluß ausgeübt hat, ist doch wohl sehr wahrscheinlich.Denn wenn man (bei monogenetischer Einstellung) die Entstehung derverschiedenen Menschentypen auch mit Hilfe der Mutationshypo-these 235 ) (diesem Deus ex machina, der uns aus allem Entwicklungsaber-glauben Darwin scher Prägung erlöst) verständlich machen kann: um dieFestigung dieser neuen Varietät und somit die Formung von Menschen-gruppen mit gleichen Erbanlagen zu erklären, wird man (wie obenschon erwähnt wurde: siehe Seite 353) zu der Hypothese des Umweltein-flusses doch seine Zuflucht nehmen müssen.
Das hat man denn auch von jeher getan. Schon Herder erklärt sichdie Entstehung der mongolischen Rasse, dieser „Raubtiere unter den Men-schen“ (ehe Nietzsche den blonden Norden diese Würde verlieh), ausihrer Umwelt, vielleicht etwas naiv, wie folgt: „Die gebogenen Knie undBeine sind die Folge des vielen Reitens, das immer lauschende Ohr ist ab-stehend, tierisch geworden; das spähende Auge hat sich geschärft, und derGenuß warmer, mit Salz gewürzter Getränke hat den Organismus ge-schwächt.“
Aber auch die neueste Rassenforschung kommt doch zu ganz ähnlichenErgebnissen, wenn sie z. B. die Nordrasse durch Ausbleichen in der Zeitzwischen 20 000 und 10 000 v. Chr. in einem Nordlandsklima sich bildenläßt. Diese Rasse konnte, so wird gelehrt, aus physiologischen Gründennur entstehen in einem ausgesprochen maritimen, also unter dem Einfluß desOzeans stehenden kühl-feuchten und sehr sonnenarmen Klima. Deshalbscheiden die Steppen Osteuropas oder Mittel- und Westasiens als Ent-stehungsorte der nordischen Rasse aus; sie sind zu trocken, heiß, haben einkontinentales Klima.
Die Negerrasse umgekehrt kann nur in einem tropischen Graslande, wahr-scheinlich in den nord- und ostafrikanischen Grasebenen entstanden sein,d. h. in einem an Sonnenschein und besonders ultraviolettem Licht sehrreichen, an Schatten aber armen, ziemlich trockenen, sehr heißen, tropischenund im Tieflande gelegenen Gebiete 236 ).
Vielleicht stimmts — vielleicht auch nicht. Aber, wie man im Einzelfalleauch entscheiden mag: als verhältnismäßig wahrscheinlich dürfen wir dieTatsache annehmen, daß „einstmals“ der Umweltfaktor bei der Entstehung