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gibt, so gibt es ein nicht minder schwieriges Problem der Gleichheitvererblicher Eigenschaften. Hier wissen wir bisher nur zweiDinge mit Sicherheit: daß auf der einen Seite die Gleichheit der vererblichenEigenschaften ohne Zweifel besteht, nämlich dort, wo es sich um die spezifi-schen menschlichen Eigenschaften handelt, die bei allen Menschen dieselbensind, und daß auf der andern Seite die Gleichheit sicher nicht besteht,nämlich dort, wo die individuellen- Eigenschaften in Frage kommen, dievon Mensch zu Mensch verschieden sind. Problematisch dagegen ist, ob, be-zugsweise in welchem Umfange, zwischen Menschheit und Individuum Grup-pen von Menschen mit gleichen, vererblichen Eigenschaften bestehen.
Daß es Gruppen mit gleichen, vererblichen Eigenschaften des Leibes gibt,unterliegt wiederum keinem Zweifel: wir kennen sie bereits: es sind dieRassen. Bei diesen besteht also so etwas wie spezifische Eigenschaften,die bei allen Rassenangehörigen gleich vererblich sind: die schwarze Farbeder Neger, die Schlitzaugen der Mongolen, der dicke Bauch der Bauchrasseund der schlanke Wuchs der Brustrasse.
Was dagegen bisher noch nicht mit hinreichendem Beweismaterial er-wiesen ist, ist dieses: ob den spezifisch leiblichen Merkmalen der verschie-denen Rassen auch spezifisch seelische Eigenarten entsprechen, und sodann:ob sich in den allgemein menschlichen Eigenschaften Gradabstufungen fin-den, derart, daß etwa die eine Rasse „intelligenter“, „gemütstiefer“ „willen-stärker“ als die andere wäre. Die Test-Untersuchungen, die sich namentlichauf den Unterschied zwischen Negern und Weißen beziehen, haben bishernoch kein einwandfreies Ergebnis geliefert.
Den seelischen Unterschied der Rassen, wenn es einen solchen gibt, wirdman vor allem suchen müssen in dem, was man Stil, Haltung, Rhythmus,kurz: die Form der Seele nennen kann.
Daß die verschiedene Veranlagung der Rassen der Entfaltung bestimmterErscheinungsformen des Geistes jeweils verschieden günstige Aufnahme-bedingungen darbietet, ist wahrscheinlich. Daß irgedeine Erscheinungs-form des Geistes in irgendeiner Rasse überhaupt keine Aufnahme findenkönnte, ist mindestens nicht erwiesen.
Zuweilen wird behauptet, ohne daß bisher ein sicherer Entscheid vorläge,daß die sozialen Schichten innerhalb eines Volkes verschiedenes Erb-gut hätten; z. B. die höheren sozialen Schichten intelligenter seien als dieunteren usw.
Fragen wir rückblickend, was wir denn nun an sicherem Wissen von denVorgängen der Vererbung beim Menschen und damit von dem Verhältniszwischen Geist und Natur beim Aufbau der Peisönlichkeit besitzen, so kann