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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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hat es gewollt, daß die besten Sänger der Vogelwelt im nördlichen Europa brüten. Von jeher haben sich daher die indogermanischen Stämme durchdie Freude an der Musik, die ganz im Gefühlsleben wurzelt, ausgezeichnetund keine andere Rasse hat auch annähernd so Bedeutendes in dieser Kunstgeleistet. Es ist daher kein Zufall, sondern biologisch begründet, daß unterden zehn ersten klassischen Genies in der Musik neun der indogermanischenRasse,,, speziell den Germanen, entstammen: Bach, Gluck, Händel, Mozart ,Beethoven, Haydn , Weber, Schumann, Schubert. Theobald Bieder,der diese Stelle zitiert 282 ), fügt traurig hinzu:daß Richard Wagner in dieserReihe keinen Platz gefunden hat, wird mancher bedauern. Andere werdenandere vermissen.

III

In der Auswertung des kümmerlichen Wissens von dem Verhältniszwischen Geist und Natur beim Aufbau der menschlichen Persönlichkeitstehen sich zwei Auffassungen gegenüber, die man wenn man sie ihrermethaphysischen Umhüllung entkleidet, wo sie den uns bekannten Gegen-satz von Pelagianismus und Augustinismus bilden als naturalistische undspiritualistische Betrachtungsweise bezeichnen kann: zwei Auffassungen, dieals Mutterboden ihrer Entstehung entweder die animalistische oder diehoministische Gesamtbetrachtung des Menschen haben: siehe den dritten Ab-schnitt des ersten Teils dieses Buches!

Nach der naturalistischen Auffassung, die man auch die nativistischenennt, steht der Einzelmensch im Strome der natürlichen Entwicklung, vonder er ohne eigenen Willen fortgerissen wird. Was er ist und was er tut, ister und tut er kraft der ihm von seinen Vorfahren überkommenen Leibes-und Seelenbeschaffenheit. Weshalb dann auch die Lehre vom Aufbau undWerden des Menschen dem Bereiche der Naturwissenschaft, insonderheitder Biologie, angehört. Diesen Standpunkt vertreten die strenggläubigenRassisten, wie etwa der Graf G o b i n e a u, der noch in seinem Alter dieseMeinung äußerte und ganz unbefangen seine Theorie in einen Zusammenhangmit dem Darwin sehen Ursprung der Arten brachte 263 ).

Dieser naturalistischen Auffassung steht die spiritualistische gegenüber,der gemäß die Formung des Individuums eine willkürliche Tat des Geistesist, dem keinerlei Hindernisse entgegenstehen.

Ohne jede metaphysische oder affektive Voreingenommenheit müssen wiran der Hand der Erfahrung bei objektiver Betrachtung zu der Überzeugungkommen, daß beide Ansichten gleich falsch sind: die naturalistische grund-sätzlich, die spiritualistische im Maße.