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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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II. Die Sturm- und Drangjahre von 184818S0

organe in Anspruch genommen hatten, waren Vorbereitungen für einenKriegsbeginn nicht getroffen. Erst am 16. April konnte eine preußischeStreitmacht von 8000 Mann bei Rendsburg versammelt sein.

Trotzdem trat Oberst v. Bonin sofort mit großer Energie auf, verlangteWaffenruhe und ließ bei den dänischen Vorposten die Erklärung abgeben,daß er jeden weiteren Angriff als Kriegserklärung gegen Preußen auf-fassen werde. Die Holsteiner fanden daher Zeit, ihre Truppen wieder-herzustellen und in die Freischaren einige militärische Zucht und Ordnung zubringen. Der Bund setzte die Wiederherstellung des Zustandes vor dem28. März als Vorbedingung für die Verhandlungen voraus. Oberst v. Boninforderte daher noch am 16. April die Räumung Schleswigs durch diedänische Armee, der Häfen durch die dänische Flotte, sowie die Herausgabeder Gefangenen. Zur Bewilligung setzte er eine Frist von zwei Tagenfest. Ähnliche Bedingungen waren auf diplomatischem Wege gestellt. Dar-über, daß sie abgelehnt werden würden, war der Oberst nicht einen Augen-blick im Zweifel und entschlossen, am 20. die kriegerischen Operationen zubeginnen. Mit dem Prinzen Friedrich verabredete er einen gleichzeitigenAngriff auf Front und rechte Flanke der Dänen bei Schleswig . Dazustanden, die Holsteiner eingerechnet, 14 000 Mann bereit. Die Dänenwurden auf 15 000 geschätzt. Bonin hielt sie für schwächer. Eine beson-dere Kolonne von 4000 Mann dabei die Freischaren sollte gleich-zeitig die Schlei überschreiten, um den Feinden bei den Engen am Langseeden Rückzug zu verlegen. Der Plan war verwegen; denn die Dänenstanden geschlossen zwischen den getrennten Kräften der Angreifer, aber erkonnte zu großen Ergebnissen führen.

Inzwischen wurden von Preußen Verstärkungen abgesendet, um dieTruppen bei Rendsburg auf eine Division von einer Garde- und einerLinienbrigade zu bringen. Deren Führer wurde Geueralleutnant PrinzRadziwill, während General v. Möllendorff die Garde, der zum Generalbeförderte Bonin die Linientruppen übernahm. Die ganze Division tratzugleich unter Oberbefehl Halketts, eines alten Waterlookämpfers.

Am 18. April waren die Führer in Rendsburg vereinigt; der tatsächlichbestehende Waffenstillstand lief ab. Die preußischen Generäle wollten sofortangreifen, Halkett hatte indes andere Instruktionen. Sein König stellteeine englische Vermittlung in Aussicht, die erleichtert würde,wenn dieDänen in ihren Stellungen nördlich der Eider nicht ohne dringende Notangegriffen werden." Er mußte also abwarten. Am 21. erhielt er freieHand. Das Vorrücken wurde nunmehr auf den 23. verlegt. Am Abendzuvor standen die Schleswig-Holsteiner, 8900 Mann, östlich bis zur Kieler